Reisebericht Kanada 2007
06.09.;
Der Start klappte super cool und pünktlich. Sind natürlich schon ne kleine Weile in der Luft. Die Wartezeit auf dem Flughafen Hamburg haben wir ruck zuck rum bekommen. Haben unsere Brote gegessen, das Wasser fast ausgetrunken, ein paar Zigaretten geraucht und sind ohne großintensive Prozeduren durch den Check-in gelangt. Nur ein paar Fragen waren zu beantworten – auspacken mussten wir nichts.
Den Startflug über HH hat Thomas gefilmt. Im Übrigen haben wir super Wetter: sonnig, ein paar Schäfchenwolken, so um die 18° C - ideales Wetter zum Filmen und Fliegen! Inzwischen sind wir überm Ärmelkanal, was denn auch schon heißt, dass wir bald wieder aussteigen. Dann wird ne kleine Hetzjagd durch den Londoner Flughafen stattfinden. Denn wir müssen von Terminal 1 nach Terminal 4 und die Mindestzeit von 75 min werden wir brauchen - so jedenfalls das Prospekt.
… Wir sind nun schon lange wieder in der Luft. Haben unsere Mahlzeit hinter uns: Chicken mit Curryreis, 1 Brötchen, Salat, Erdbeerquarktörtchen – tja es war lecker! Dazu reichlich Getränke aller Art. Auffällig war, dass sofort Alkohol - in diesem Fall Wein - angeboten wurde. Der Flieger an sich erscheint uns sehr bequem: Jeder hat einen eigenen Monitor, jeder wurde mit Kissen, Decke, Socken, Augenklappe, Ohrstöpsel und Zahnputzzeug ausgestattet. Lobenswerter Service von British Airways!
08.09.;
Den ersten Campertag haben wir schon hinter uns! Nachdem wir im Hotel (Sandmann Airport) (B1) früh wach waren - so halb 6 rum - machten wir uns tagfertig und gingen zum Frühstück. Das sind auch ganz ausgebuffte Leute: Geben uns einen Bon für 10 Can$/Person, dafür musste man aber Kaffee und Orangensaft obenauf bezahlen. Taktik! So haben wir incl. TIP noch 22 Can$ geben müssen, hatten dafür aber jeder eine ordentliche Portion Rührei mit Bacon, 2 Toasts, Marmelade und Röstkartoffeln verdrücken dürfen. Ein sehr kräftiges Frühstück.
Wir haben dann Cruise Canada angerufen, wurden aber wohl an ein Callcenter weiter geleitet, denn mehr, als dass wir uns ab 9.30 Uhr da melden können, wurde uns nicht mitgeteilt. Nun gut. Wir beschlossen, zu diesem Zeitpunkt hinzufahren, da wir unserer Pflicht des unbedingten Anrufes bereits nachgekommen sind. Nun noch für 3 Can$ fix ins Internet - genauer gesagt für 15 min.
Diese Zeit reichte gerade aus, zwei Mails in die Heimat und eine an Arlene abzusenden und noch schnell auf das Konto gucken. Rums – Zeit ist um! Das Taxi stand genauso fix vor der Tür. Unsere riesigen Gepäckstücke verladen und mit nettem Smaltalk ab zum Vermieter. 10 Can$ incl. TIP waren wir nach 5 min Fahrt los. Auf unsere Frage bei Cruise Canada, wann wir kommen könnten zum Einchecken, legte das Fräulein gleich mal los. Sollte uns nur recht sein. „Fertige“ Schweizer sprachen uns unmittelbar nach unserem Ausstieg aus dem Taxi an und schenkten uns u. a. noch einige Lebensmittel, Alufolie und ne kleine Axt. Nur ihre Parkkarte hatten sie schon anderweitig vertickert. Schade. Aber so war es natürlich auch schon recht nett. Die Campereinweisung erfolgt heut zu Tage völlig „unproblematisch“: Video anschauen, selbst um den Camper laufen und Beulen markieren, genauso den Innenraum ansehen. Wenn wir die Tante nicht dazu geholt hätten, weil eine Gasflamme etwas rumzeckte, hätten Cruise Canada und wir gemeinsam nie am Camper gestanden! So zeigten wir denen auch gleich, wie „sauber“ der Camper von außen aussieht.
Damit war die Prozedur reichlich kurz und schmerzlos. Nicht mal eine weitere Versicherung wurde angeboten! Unsere leider zu späte genauere Inspektion ergab nur noch, dass die Ausstattung sehr miserabel ist, doch daran ist jetzt nichts mehr zu ändern – wir haben uns durch die Freude der so frühen Übernahme ü-berrumpeln lassen! So haben wir jeder nur einen Schlafsack! Bisschen dürftig für diese Temperaturen. Auch Geschirr und Besteck sind uralt – vielleicht genauso alt wie der Camper und man kann von der „Erstausstattung“ reden. Auch wenn uns das etwas unzufrieden stimmte – nur so viel, dass wir das eben CANUSA mitteilen werden – lassen wir uns doch die Laune nicht verderben. Zumal uns der Zeitplan mit der frühen Übernahme (statt nachmittags!) voll entgegen kam. Um 11 sind wir auch schon vom Gelände zum P+R Rundle gefahren, um mit dem C-Train nach Downtown Calgary zu kommen. Erste Hürde: Tickets kaufen. Thomas war da ganz fix und schmiss 3 $ in den Kasten. Der gab ihm zwar ne Fahrkarte, aber kein Wechselgeld. Das hatte Thomas überlesen! Nun standen wir vor dem Problem, passend Geld zu haben. Mal abgesehen davon, dass der Kasten eh keine Scheine nimmt, hatten wir nicht eine einzige Münze! Und wo sonst die Kanadier sehr freundlich sind, 5-$-Scheine wollten sie nicht für ihr kostbares Kleingeld haben. Was nun? Ab in einen Laden und Geld wechseln. Um diesen Vorgang leichter zu gestalten, kauften wir dabei gleich mal Wasser. Nun hatten wir für jeden 2,25 $ für eine Fahrt – unser Stadtbummel konnte beginnen. Gleich mal in den Laden „Alberta Boots“. Die Auswahl war einerseits reichlich, aber für unsere Vorstellungen und Geschmäcker wieder gar nicht. Und teuer! Jedenfalls fanden wir nichts. Wieder raus da und in einen anderen Laden. Auch hier wurden wir an Boots gar nicht fündig. Dörte erstand erste Utensilien, aber wir einigten uns, dass wir Stiefel hier nicht kaufen werden können, weil in Kanada offensichtlich eine ganz andere Fußbequemlichkeit vorherrscht. Alle drei hatten wir das Gefühl, an der Ferse überhaupt keinen vernünftigen Halt zu haben und nach 10 min mit Blasen rumlaufen würden. Keine Ahnung, was für Füße Kanadier haben! Hatten wir uns nie Gedanken drüber gemacht…
Tröpfelte es leicht, wie wir zum Geldwechseln unterwegs waren und Thomas’ Gesicht sich dementsprechend verzog, war es in Dowtown selbst trocken und von der Temperatur her angenehm. Nun wieder auf dem Parkplatz war es kühler. Ein Hase – nicht hoppelnd, dafür springend wie ein Känguru – munterte uns auf. Wir sind nun aus Calgary raus und heizten den Camper ordentlich, damit uns warm wird. Die Fahrt durch Calgary gelang uns ohne Umwege und wir fuhren direkt in einen sehr kräftigen Regen. Wie sagte Thomas treffend? So wie wir 2005 Kanada verlassen haben, empfängt es uns heute wieder!
Im strömenden Regen sind wir in Nanton von einem Antiquitätenladen in den nächsten gesprungen und haben auch Kleinigkeiten erstanden. Einen weiteren Stopp machten wir in Claresholm beim „Frontier“. Es war inzwischen trocken, aber windig und kalt. Der Laden enttäuschte uns: viele Sachen „made in China“ und unseres Erachtens viel zu teuer dafür. Wir kennen ihn noch anders. Wir hielten uns auch nicht lange auf und sind weiter nach Lethbridge. Hier landeten wir ca. 19 Uhr und brachten noch ein paar Tropfen Regen mit. Von den Einheimischen sehnsüchtig erwartet und viel zu wenig – wir mit dem Gedanken, dass es uns an Regen schon jetzt reicht.
Es fand eine kurze, sehr herzliche Begrüßung statt und sofort wurde zu Essen aufgetischt. Viel haben wir erzählt und Geschenke überreicht. Erika hat sich sehr über das Bild und das Windspiel gefreut.
Heute so um halb 7 sind wir auch langsam alle wieder aufgestanden und haben uns zum leckerdeftigen Frühstück zusammengefunden.
Der „Farmers Market“ (B2) war dieses Jahr ein Muss: Wir deckten uns bei den Hutterern mit frischem Gemüse ein. Unsere Lose kamen leider nicht zur Auswahl, denn wir haben keinen Anruf erhalten. Nach diesem Einkauf haben wir noch einige Garagesales (= Yardsales) aufgesucht, einige Schnäppchen gemacht und weiter durch Lethbridge mit Haltepunkte CAA und Bank gefahren. Gleichfalls haben wir Jenniffer und ihre Familie besucht. Zwischendurch bei Erika noch leckere Kohlrouladen zu Mittag gegessen und weiter ging es mit der Tour: Großeinkauf unserer Lebensmittel und anschließendes Einfrieren derselben – wenigstens, was das Fleisch betrifft. Wir sind nun erst einmal versorgt und brauchen nicht zu fürchten, dass wir die nächsten Tage hungern müssen!
Weiterhin stand auf dem Programm: Vesper; danach sind wir zum Indian Battle Park (B3). Auf dem Weg dorthin besuchten wir noch Georg in seinem Ramschladen. Der freute sich, uns wieder zu sehen und Dörte kennen zu lernen. Beim Stöbern fand ich etliche Silberlöffel, die er mir schenkte. Wir machten zum Dank noch ein Foto mit ihm. Nun wanderten wir aber durch den Park und genossen die dortige Stille, die nur von Grillen unterbrochen wurde. Nun gut, einige Kinder und Hunde waren auch noch zu vernehmen. Leider kein Zug, der die High Level Bridge überquerte! Wäre ja mal zu schön gewesen, dies zu erleben. Aber es war trotzdem ein sehr schöner Ausflug, auch wenn keinerlei Getier – außer besagte Hunde – gesichtet wurde. Gut, verschiedene Vögel ja, und einer kackte Thomas auch auf den Kopf. Die anderen hörten sich dann an, als wenn sie sich über diese Aktion ihres Gefährten kaputt lachen…
Dörte und ich amüsierten uns jedenfalls köstlich über diesen Gedankengang. Nach unserem Oldman-River-Ausflug sind wir zu Edgar gefahren. Das war eine herzliche Begrüßung. Wieder netter Smaltalk und eine Bogenschussvorführung von Cory – war schon beeindruckend. Er übt für die Jagd. Mit Gewehr und so scheint es langweilig zu werden, man geht intensiv zu Pfeil und Bogen über. Und das muss geübt werden. Dann zeigte uns Edgar auf dem Laptop viele Bilder von dem Familientreffen. Wir konnten sehr gut sehen und nachvollziehen, wie viel Spaß dieses Fest mit den 85 Leutchen gemacht hat.
Nach dem Abendessen saßen wir bei etwas Whiskey und Bier noch zusammen und erzählten. Schade ist, dass Armin nicht zu erreichen ist. Vielleicht morgen. Da würde ich mich freuen, auch ihn wieder zu sehen.
09.09.;
Da wir gestern schon vor 10e ins Bett sind, ist es kein Wunder, dass wir nun kurz vor 7 schon wieder wach sind! Nun mal was zur Wetterstatistik: Momentan sind es 5° C. Der Tag gestern wurde sonnig, so um 20° C, allerdings war es im Schatten immer recht frisch. Wie wir bei Edgar waren, kam sogar ein kleiner Sturm auf. Die Regenwolken zogen offensichtlich an Lethbridge vorbei – hier fiel kein Tropfen. Ohne Strom wird es uns unterwegs schon recht frisch werden…
Zum Camper ist noch so viel zu sagen, dass das Waschbecken im „Raum“ statt in der Toilette platziert ist. Sollten wir uns da waschen müssen, macht sich das natürlich blöd bei 2 Frauen und 1 Mann!
Was wir heute alles unternehmen werden, haben wir noch nicht fest geplant. Warren wird wohl noch irgendwann auftauchen sowie zu Armin und Martha werden wir fahren.
Bei unserem gestrigen Einkauf im Liquorstore bekamen wir zu unserem Tray Bier eine große Flagge der Calgary Flames und zur Flasche Whiskey eine BBQ-Sauce. Kommt cool!
Nach dem heutigen Frühstück sind wir – Dörte und ich hatten auch schon unsere Taschen samt Inhalt im Camper verstaut – raus gefahren zu Armins Farm. Unterwegs hielten wir am Güterbahnhof von Lethbridge, der 10 km außerhalb liegt, damit Thomas noch Loks (B4) fotografieren konnte.
Angekommen bei Armin, war er nicht da, aber Martha wurde im Bademantel angetroffen. Mich hat sie besonders herzlich begrüßt (wir kennen uns ja nun schon 6 Jahre), machte für uns Kaffee, bei welchem wir uns alle gut unterhielten - größtenteils englisch, da Martha kein deutsch versteht und spricht. Besonders für Dörte eine Trainingsstunde, wobei sie sich eher aufs Verstehen als aufs Sprechen konzentriert! Wir haben uns auf deren Land ausgiebig umgesehen, fotografiert (B5) und gefilmt. Selbst ich habe mich auf die Rinderweide getraut! Was mutig daran ist? Die Rinder waren auf derselben Weide! Weiterhin waren noch eine Ziege, 2 Schafe und 4 Schweine mit als Farmtiere vertreten. Aber recht bald sind wir wieder los, weil Armin nicht kam.
Mit einem Fotostopp hielten wir beim Getreideberg an; die Speicher sind so voll, dass das Getreide unter freiem Himmel gelagert werden muss (B6)! Unsere Weiterfahrt endete vorerst im Chinarestaurant, wo wir lecker vom Büffet gegessen haben – und wieder viel zu viel! Wir mussten zu Hause doch glatt einen Whiskey zur Verdauung trinken! Weil das noch nicht half, machten wir einen Rundgang um den Kunstsee mit Abstecher zum Sobey’s, um noch weitere Alufolie zu kaufen.
Warren wird zum Kaffee kommen. Wir haben ihn eben auch kurz gesehen und fingen gleich an, die Kaffeetafel vorzubereiten. Die Sahne war noch gar nicht ganz geschlagen, da sahen wir Warren schon wieder fort fahren. Nanu?
10.09.;
Er kam aber doch recht bald zurück zum Kaffeekränzchen. Bestimmt war er nur zum Department gefahren und Geschenke holen… Richtig: zwei T-Shirts brachte er Thomas mit. Warren selbst freute sich über das T-Shirt und den Pullover sowie die Zeitschriften, die Thomas ihm mitgebracht hatte. Gut eine Stunde haben wir bei Kaffee und Kuchen nach einem Begrüßungswhiskey zugebracht. Viele interessante Fakten haben die beiden ausgetauscht – und Dank teilweiser Übersetzung von Erika wechselten die Informationen die Besitzer. Am erstaunlichsten fand Thomas, dass hier nur einmal ein Bodycheck vorgenommen wird und dann nie wieder, wo in Deutschland alle 3 Jahre die so genannte G26.3 zu bestehen ist!
Waren wir schon vom Mittag mehr als satt – jetzt nach dem Kuchen waren wir fast am Platzen und ließen das Abendessen weg. Dafür gingen wir drei noch ne große Runde um den See und schauten uns die Häuser an.
Armin ließ sich leider nicht mehr sehen und hören. Auch die Koglers meldeten sich nicht mehr. So ließen wir den Abend bei einer Dose Bier ausklingen und sind halb 10 ins Bett.

Das Frühstück – wieder mit Bacon & Eggs – ließen wir uns schmecken. Während des Frühstücks kam der Anruf von Edda. Sie bedauert es sehr, uns nun nicht gesehen zu haben und dachte, wir könnten nach Waterton noch mal nach Lethbridge kommen. Das war aber aufgrund unseres Routenplanes nicht drin. Genau 8.57 h machten wir uns mit km-Stand 91139,8 auf den Weg – schnurstracks durch Lethbridge und auf Highway 4 in Richtung US-Border. Natürlich nicht, ohne uns vorher herzlich verabschiedet zu haben. Ich war so ergriffen, dass mir glatt die Augen feucht wurden. Und auch unsere Fotos haben wir noch gemacht. Mit vielen guten Wünschen, Ratschlägen und Hinweisen waren wir also auf dem Weg. Nur in Milk River an sich haben wir die Abfahrt zum Writing-on-stone-PP übersehen. Kaum hatte ich ausgesprochen, dass wir nun auf die Pronghorns achten müssen, bremste Thomas auch schon ab, weil zwei auf seiner Seite – leider für Fotos zu weit entfernt – am Äsen waren. So betrachteten wir sie durchs Fernglas. Wir sind natürlich wieder mit allem ausgerüstet. Und wie eben festgestellt, liegt die Technik am falschen Ort! Aber dazu später noch (B7).
Mittags um 12 kamen wir dann im Writing-on-stone-PP (B8) an und staunten über das neu gebaute Info-Centre. Das ist eine sehr schöne Anlage. Da geben sich die Kanadier ja immer sehr viel Mühle, wirklich die Infos plastisch, bildlich und detailliert darzustellen – für jeden sehr leicht verständlich.
Nachdem wir auf dem Campground einen für uns schönen Platz gefunden haben – wir nahmen mit Power für 25 $, da, wie Warren schon vermutet hatte, hier noch absolutes Feuerverbot selbst zum Grillen besteht. Wir haben uns so entschieden, falls es abends doch zu kalt wird und wir uns dann drinnen aufwärmen können. War es heute morgen zwar etwas wärmer (9° C), so kann es abends und nachts schon empfindlich kühl sein.
Okay! Wir haben schön eingeparkt, die Strippe angeschlossen, kurz eingerichtet, uns umgezogen und auch gleich auf den Marsch zur Battlescene aufgemacht (B9). Die Hoodoos begeistern uns ja immer wieder – auch Dörte ist stark beeindruckt. Wieder haben wir Unmengen fotografiert, Videoaufnahmen gemacht und die Klapperfliegen beobachtet. Klapperschlangen – besser Rattlesnakes – bekamen wir aber nicht zu sehen.

Auf dem Rückweg (B10) fanden wir totes Getier: das schwarze Felletwas konnten wir nicht mehr identifizieren, die Bisamratte war an ihren Zähnen noch gut auszumachen.
Aber auch lebende Tiere – außer die fliegenden Dinger in unterschiedlichen Größen – sahen wir eine Dreiergruppe Rehe im Fluss, später noch auf der mit Gebüsch bewachsenen Wiese. Ein kleiner und ein mittlerer Hase kreuzten unseren Weg zum Camper. Die waren gar nicht mal so scheu und ließen sich gut filmen/fotografieren. Auch das kleine Häschen unmittelbar nach unserem Eintreffen am Camper war zugänglich für die Fotosession. Das Reh, welches eben direkt am Camper und nur 3 m an mir vorbei ging, hätte sich auch filmen/fotografieren lassen, hätte sich die Technik noch auf dem Tisch in Griffnähe befunden… Thomas hatte alles „vorsorglich“ in den Camper geräumt. Nun, eine Hinterteilaufnahme gelang ihm noch und die Technik liegt wieder hier auf dem Tisch.
Für unsere Wanderung hatten wir uns gut gerüstet: Wasser und Powerriegel waren schon hilfreich – zeigte doch das Thermometer 29° C im Schatten an! Das Geklettere machte auch schnell hungrig. Unsere Überlegungen endeten in dem Entschluss, heute Fisch zu braten, dazu Pellkartoffeln mit Zwiebel/Möhren. Sehr bedauerlich ist aber, dass kein Feuer gemacht werden darf – sehr, sehr bedauerlich! Aber dem hat man sich zu beugen.
Hier im Unterholz raschelt und knistert es in einer Tour. Meine Kontrollblicke fanden heraus, dass das kleine Häschen sich da immer noch tummelt. Die Wespen hingegen sind nervig.
Wenn wir unseren Leckerbissen – den Fisch, nicht das Häschen! – vertilgt haben, werden wir auf der anderen Seite der Hoodoos noch wandern und Ausschau nach dem Haus von Arlenes Tante halten. Den Abend werden wir bestimmt mit einem Cola-Wodka, vielleicht auch zwei oder drei?, beschließen. Vielleicht gehen wir auch vorher noch baden. Thomas gab ja vor der Reise zur Kenntnis, wenn er einen „Borat“-Badeanzug kriegt, geht er auch baden. Wollen doch mal sehen!?
11.09.;
Wie angekündigt, sind wir nach dem Essen noch auf die Wanderung. Auf dem Weg dahin hatten wir Wildlife-Watching: eine 4er Gruppe Rehe (B11) stand minutenlang Motiv. Der Rehbock – nein, es war ein Weibchen mit drei Jungen… also sie horchte aufmerksam auf, als ein Spazierhund dazu kam. Die vielen Hasen, die uns auch immer noch begegneten, fotografierten wir nicht mehr. Wir sahen noch weitere Rehe… aber eine Ratt-lesnake bekamen wir wieder nicht zu Gesicht – somit auch nicht aufs Foto.
Wir hielten auch nach dem Haus Ausschau. Irgendwann kamen wir an einem Stacheldrahtzaun an und vermuteten, dass das Grundstück samt Häuschen eben der Tante gehört. Für die spätere Aufklärung machten wir mal ein Foto. Natürlich machten wir weitere Fotos, u. a. von den Hoodoos mit Sonnenuntergang.
Als wir endlich wieder einen Ausweg aus den Gesteinsgebilden gefunden hatten, sind wir zum Strand, weil wir noch baden wollten. Die Utensilien hierfür hatten wir im Rucksack dabei. Flugs zogen wir uns um und stolperten über das Steinfeld – unsere Füße waren damit gar nicht zufrieden! Dass unsere 4 Rehe sich nicht stören ließen, erstaunte und erfreute uns zugleich. Das war so richtig romantisch, neben äsenden Rehen beim Sonnenuntergang zu baden. Wenn auch das Wasser recht flach war und die Strömung dadurch eigentlich gar nicht nutzbar, machte es uns Spaß – Dörte und mir (B12)! Thomas übernahm den Part des ewigen Festhaltens… Als dann das große Reh zum Wasser kam, um zu saufen, sind wir im immer flacher werdenden Wasser auf dem Bauch heran gekrochen. Es ließ sich nicht groß stören – beäugte uns zwar, aber rannte nicht davon. Auf gut 4 m kamen wir ran, dann hatten wir keine Deckung mehr durch das Wasser! Es war nur noch knöcheltief. Aber es war so schön! Wieder rüber übers Steinfeld und rein in die trockenen Klamotten. Kalt war uns aber nicht geworden. Es war ein herrliches Erlebnis. Den Spaß, Thomas im Borat-Badeanzug zu sehen, gönnte er uns nicht!
Wieder am Camper versorgten wir uns nun endlich mit unserer eigenen Mischung Wodka-Cola. Nun, eine Mischung WC war wohl zuviel! Oder war doch die Kombination dieser Fliegersocken mit meinen Latschen Schuld an meiner Rolle ins Gebüsch? Einen schönen großen blauen Fleck habe ich mir weggeholt. Aber für Dörte habe ich etwas geschaffen, worüber sie sich köstlichst amüsierte. Unser Uno-Spiel während des Wodka-Cola-Trunks war gleichfalls sehr lustig und hat viel Spaß gemacht. So sind wir auch erst gegen halb 11 in unsere Schlafsäcke gekrabbelt und haben die Nacht sehr gut geschlafen, bis wir morgens von einem abreisenden Pick up geweckt wurden. Das war so um 6e! Nun ja. Trotz unserer Wanderungen in den Hoodoos und unseres Umtrunks waren wir ausgeschlafen und fingen an, diesen Tag in Angriff zu nehmen. Der begann auch erst mal mit unserer morgendlichen Zigarette nach reichlich Wasser. Natürlich folgte der Kaffee und Thomas schmiss die Heizung an. Das tat auch gut! Nun probierten wir aus, mit der Mikrowelle das Brot zu toasten. Das gelang mit nur mäßigem Erfolg. Das Toastbrot an sich schmeckte wie Zwieback, aber das Mischbrot war okay – so lange es noch warm war. Nährt alles und wir haben kräftig gefrühstückt. Und bei Heizung – uns geht es gut! Wir stellten jetzt auch fest, dass das große Fenster undicht ist. Die Gase ist sowieso kaputt! Das haben wir aber bei der Übergabe nicht festgestellt. Na mal sehen, was das noch wird.
Okay – Dörte und ich sind dann los uns waschen. Dabei bekamen wir 2mal Männerbesuch! Na, wir haben uns da ja nicht so empfindlich. Dann schauten wir beim Rausgehen aber doch noch mal nach, ob wir uns nicht in der Tür vertan haben – wir waren richtig! Thomas duschte für 2 $ und wir räumten schon mal auf: Abwaschen und all solche Sachen, was so anfällt. Ohne Hatz haben wir uns gegen halb 10 auf den Weg gemacht. Von einem Site haben wir denn auch mal das Holz mitgenommen in der Hoffung, heute Feuer machen zu können.
In Milk River machten wir unseren ersten Halt, um die Speicher zu fotografieren. Und weiter ging es auf der 501 Richtung Westen, Richtung Del Bonita. Unterwegs hatten wir noch das Vergnügen, einige Pronghorns zu sehen, zu fotografieren und zu filmen. Immerhin 4 Stück, eins alleine (B13) und einen Bock mit 2 Weibchen. Da haben wir uns gefreut! Immer nur Rehe und Hasen… das ist doch mal was! In Del Bonita haben wir dann aber doch nicht gehalten – Dörte reichte der Anblick bei der Durchfahrt (meine persönliche Anmerkung: dieser Ort sieht aus wie eine vergessene Westernfilmkulisse!). Dafür haben wir in Richtung Cardston gehalten und an einem Wasserloch Kraniche beobachtet. In Mountainview wollten wir eigentlich wieder Wasser kaufen, leider wussten wir nicht recht, ob es destilliertes oder Trinkwasser ist und ließen es bleiben. Trotzdem wir einige Klamotten – besonders Jacken und Westen anprobiert hatten – sind wir ohne käuflichen Erwerb wieder raus aus diesem Laden. Dennoch ist ein kleines Erfolgserlebnis zu verzeichnen: Gerade, wie wir einparkten, kam ein Auto auf den Platz gefahren.
Noch lange nichts Besonderes – aber die Fracht auf dem Dach (B14): Ein frisch geköpfter Hirsch mit imposantem Geweih! Ja, da tropfte noch das Blut raus. Den bringt er bestimmt zum Präparieren. Thomas machte schnell ein paar Schnappschüsse von diesem Kuriosum.
Weiter ging unsere Fahrt. Ab und an mal eine Zigarettenpause, die wir auch zum Fotografieren der herrlichen Landschaft nutzten. Ein besonderes Motiv war da das Tipi kurz vor dem Waterton-NP. Es stellte sich heraus, dass dies ein Anlaufpunkt für Horsebackriding ist, denn es standen etliche Pferde im „lot“. Die Anlage sah schon cool aus.
Ein Schock wurde uns am Parkeingang versetzt: N u r der Townsite-Campground ist geöffnet! Unser geliebter Crandell-CG – wie alle anderen auch – ist wegen Feuergefahr geschlossen! Schmerz! Erstens kein Feuer und zweitens auf diesen urst teuren besch… Campground zwangsverpflichtet! 35,65 $ haben wir berappt! Da wird man gezwungen, diesen teuren Platz anzumieten – finden wir schon ganz schön blöd. Aber das Ärgern nützt uns gar nichts. So nutzen wir dann auch alles aus: Strom sowieso und pullern können wir auch zu Hause! Und wie nicht anderes zu erwarten, ist dieser CG gerappelt voll. Wir sind auf dem vorderen Teil und stehen genau unter einer Laterne! Na was soll’s – wir machen es uns trotzdem gemütlich.
Wir kauften auch gleich eine Jahreskarte für die gesamten Parks. Machte auch mal 123,80$ – aber so wird es für uns noch immer preisgünstiger, als täglich für drei Personen zu bezahlen. Und mal sehen, ob wir das Ticket noch am Ende der Reise loswerden oder über ebay weiter verkaufen. Aber zurück zum Thema: Natürlich wurde uns dieser Site zugewiesen und wir müssen uns damit abfinden. Wir bedauern es sehr, nicht auf dem Crandell-CG stehen zu dürfen. Der ist nun mal wesentlich schöner. Es hat nicht sollen sein!
Nachdem wir nun den Platz erreicht hatten, bekamen wir sofort gute Ratschläge von unserem amerikanischen Nachbarn. Wir bedankten uns und machten ihm verständlich, dass wir noch mal fahren werden heute. Wir tranken denn auch nur noch einen Kaffee und machten uns zu Fuß auf in die City, um jetzt endlich Wasser zu kaufen. Aber wie es so ist, wenn man darauf angewiesen ist, nehmen sie auch Unmengen von Geld! Wir gaben das erst mal für Souvenirkäufe aus und gingen jeder mit ner Tüte Errungenschaften zurück zum Wasserladen, von wo wir nur eine Kanne a 4 l mitnahmen. Die allein kam schon mal 3,99 $. Auf Margarine haben wir erst mal verzichtet.
Wieder am Camper angelangt, verstauten wir erst mal notdürftig unsere Sachen und fuhren zum Cameron Lake. Gestärkt hatten wir uns zum Kaffee mit Cornflakes, die wir ja von den Schweizern erhalten hatten. Macht sich gut für einen kleinen Imbiss. Denn wir wollten erst zum Cameron Lake und dann was essen. Gesagt, getan. Aber selbst am Lake hatten wir kein Glück. Es waren doch noch etliche Leute da, obwohl uns immer nur Autos entgegen gekommen sind. Waren wir wohl nicht die einzigen, die die Dämmerung für Wildbeobachtungen als günstig erachten! Wir wanderten am Ufer ein Stück entlang. Ich hatte ein nächstes Missgeschick: Nicht nur, dass ich mir in den Hoodoos an einem Stein den Zeh gestoßen habe, nein… heute setzte ich mich auf so einen Rest Ast am Baumstamm (B15). Tat schon gut weh. Diesmal bin ich wohl diejenige, wo zu befürchten ist, in einem Stück nach Hause zu kommen.
Letztendlich blieb unsere Tierbeobachtung nur Gedankengut, denn es rauschten zwei Rentnerbusse an. Da war es mit jeder möglichen Ruhe vorbei. Bei unserem „Strandspaziergang“ sichteten wir ominöse Tierspuren und einigten uns, den Hauptweg aufzusuchen. Diesen nutzte kurz zuvor noch ein Reiter mit Packpferd. Na, das wäre doch eine Begegnung gewesen: auf dem schmalen Pfad wir und 2 Pferde! Diese, einige Eichhörnchen und die blauen Vögel waren die einzigen Tiersichtungen auf dieser Tour. Auf unserer nachmittäglichen Shoppingtour konnten wir 2 Rehe die Straße kreuzen sehen und hier auf dem Campground etliche weitere. Ein Schwarzbär am Straßenrand wäre uns schon lieber gewesen. Iss nich!
Schon von Hunger geplagt – so leicht jedenfalls – machten wir uns ans Abendessen. Wollte ich vorher schon etwas im Tagebuch schreiben, ging es wegen des Windes nicht. Mir flatterte alles davon. Aber in der Zeit, als Dörte Bratkartoffeln mit Würstchen und Salat vorbereitete, fing ich wenigstens mit den Eintragungen an. Gegessen haben wir draußen und es schmeckte uns gut. Hat Dörte fein gemacht. Sie hat sich inzwischen bereit erklärt, gern zu kochen. Dass wir es uns gönnen, vor und nach dem Essen einen Kräuterlikör zu trinken, versteht sich wohl von selbst.
Nach einer Zigarette und wie das Wasser heiß war, haben Dörte und Thomas den Abwasch übernommen und ich all diese Zeilen geschrieben. Eigentlich wollten wir auch noch eine Runde Uno spielen, aber nun ist es schon 10e durch, wir genießen noch Bierchen und fangen schon an zu gähnen – vor allem Dörte. So hören wir noch Garth Brooks zu Ende und gehen zu Bett. Hoffentlich wird es nicht noch windiger oder gar stürmisch. Habe keine Lust, hier wieder durchgeschüttelt zu werden.
12.09.;
Die Nacht haben wir sehr gut geschlafen. Irgendwann wurde Thomas wach und stellte fest, dass es regnet. Um 7 sind wir alle aufgestanden und sahen die Bescherung: Townsite war Wolken verhangen – keine Berge mehr zu sehen und es nieselte! Der Morgen fing grau, aber richtig grau an. Thomas seine Stimmung sank natürlich auf den Nullpunkt (mit sonem Wetter hat er Probleme!), wir nahmen es so hin. Was sollten wir auch machen? Also erst mal die üblichen morgendlichen Rituale: Frühstück, diesmal mit gekochtem Ei. Und schön bei Heizung! Nach dem Duschen bauten wir ab.
Ein Nachbar – aus Deutschland auch mit Cruise Canada unterwegs – kam noch und fragte, ob wir in die USA wollen. Wir verneinten dankend und hielten kurze Unterhaltung im Nieselregen. Dieser hielt uns aber nicht ab, die Fahrt zum Red Rock Canyon vorzunehmen. Und das war eine richtige Entscheidung, denn da regnete es nicht! Auf dem Weg dahin trafen wir auf einen Stau. Was sagt uns das? Ein Tier ist in der Nähe! Und tatsächlich: Wir gingen dem Blick der anderen Touristen nach und sahen auch den Schwarzbär (B16). Ein richtig dicker Bursche war das. Ich denke ja, dass es ein Männchen war. Ein Weibchen hätte doch noch Junge dabei? Das war schon ein imposantes Tierchen und gut zu fotografieren/filmen – obwohl es einige 100 m entfernt war. Durchs Fernglas war er natürlich noch besser zu beobachten. Wir freuten uns jedenfalls, auch wenn nicht wir den Bären zuerst gesichtet hatten.
Nunmehr am Red Rock Canyon (B17) angekommen und weil es trocken war, stiefelten wir los zum Blackiston Fall. Kurze Strecke von 1 km. Auf dem Weg dahin hatten wir Gelegenheit, vier Rebhühner zu beobachten/filmen/fotografieren. Mal ganz andere Tiere! Hatten wir so auch noch nicht gehabt. Die Hühnerchen (B18) brauchten auch nicht lange um festzustellen, dass wir ihnen nichts tun und posierten für uns. Erst durch die 2 entgegenkommenden Wanderer wurden sie aufgescheucht. Nun konnten wir so richtig happy die „Stille“ des Wasserfalls genießen. Auch hier erfolgten Aufnahmen jeder Art. Ein dürftiger Hagelschauer ließ uns kurz verdutzen, da wir gar keine Wolke vernommen hatten. Wieder am roten Gestein angekommen, erfolgten hier die obligatorischen Fotos im Canyon an sich. Der Wassertest ergab: ja es ist kalt.
Guten Mutes machten wir uns auf die Weiterfahrt – wir wollten noch durchs Bison Paddock fahren. Just trafen wir wieder auf einen Verkehrsstau! Noch mal konnten wir einen Bären beobachten und… ja noch einer war da! Drei Bären an einem Tag! Herrlich. Diese beiden Exemplare waren allerdings zu weit, aber diesmal wirklich zu weit weg für Aufnahmen. Na ja, das war jetzt nicht weiter schlimm.
Von dieser Straße aus zeigten wir Dörte auch, wo wir eigentlich hätten campen wollen. Ja, sie meinte auch, dass der Campground idyllischer wäre. Aber war ja nicht zu ändern und lohnt weiterer Überlegungen und Worte nicht.
Nun aber ab zum Paddock. Da regnete es wieder – wir fuhren trotzdem durch. Immer schön auf die Augen und… Erfolg! Rechts stand er der Bison-Bulle …-Stier (was auch immer). Gutes Fotomaterial lieferte er. Und wie ich weiterfahren will und vorbildlich in den Rückspiegel schaue… der Rest der Herde! Thomas fix aus dem Camper und davon auch mal ein Foto gemacht. Wer weiß, wann die wieder zu sehen sind! Zwischenzeitlich ließen wir auch noch die Fahrzeuge durch, die meinten es eilig zu haben. Egal, wir genossen den Anblick und fuhren strickt nach Vorschrift 20 km/h weiter. Und dieses Tempo erlaubte es uns auch, die gesamte Herde (B19) noch einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Fotos machen! Ach was waren wir froh! So ein grauer Tag und soviel Tiere gesichtet. Wenn das nicht schön ist? Nach 3 Bären, 4 Hühnern und einer kleinen Herde Bisons waren wir uns sicher, Kanada ist cool und macht Spaß. Nun wollten wir noch mehr sehen und fuhren weiter Richtung Westen. Wenn es auch mittlerweile mittags war, waren wir zuversichtlich, unsere Tagestour zu schaffen.
Unheimlicher Verkehr, besonders die riesigen Trucks machten uns deutlich, dass Wochentag und Business ist. Mit dem Tempomat kamen wir aber gut voran – immer so auf 80 - 90 km/h eingestellt. Und ich finde, dass ist sehr Sprit sparend. In Coleman tankten wir dennoch erst mal: 185,65 l für 191 $ + TIP für den netten Menschen, der sehr verwundert war, was unser Teil so schluckt! Irgendwie täuschte uns unsere Erinnerung, denn wir vermuteten die Bank auf der Anhöhe unmittelbar nach der Tanke. Wir mussten aber doch noch ein ganzes Stückchen fahren. Und dachten wir, die Bank steht immer noch einsam – Irrtum. Auf der anderen Straßenseite war ein Neubaugebiet entstanden. Da hat sich der Bankbauer das aber schon gut gedacht! Etwas hilflos müssen wir beim Geldholen gewirkt haben, denn ein leicht zahnloser Mann fragte, ob wir Hilfe brauchen. Auf Deutsch! Auch er sagte uns: Cruise Canada = deutschsprachige Touristen. Nix mit Tarnung mit diesen bunten Dingern.
Unsere morgendlichen Aktionen hatten uns doch etwas Zeit gekostet und wir haben eine lange Tour vor uns. In Pincher Creek fanden wir zwischendurch sogar einen Walmart auf unserer Seite. Da sind wir rein, um endlich unseren Wasserhaushalt aufzufüllen. Dabei nahmen wir auch gleich mal Milch und Margarine mit. Schon fast draußen, nachdem uns die nette Frau bei der self cash-Bedienung geholfen hat, fanden wir auch ein passendes Souvenir für Oma: einen Mounty!
Wie gesagt, der Tag war schon recht fort geschritten und wir beschlossen, heute nicht mehr zu dem Lussier-Campground zu fahren. Das würde allein für unsere Steaks zu spät werden. Hatten wir doch in Erfahrung bringen können, dass hinter Sparwood Feuermachen wieder erlaubt ist. Nun, auf dem Weg lag ja auch noch der Norbury Lake CG. Den steuerten wir an. Irgendwo unterwegs lief auch noch ein Babybärchen über die Straße in den Busch. Dörte sah da auch noch ein zweites – ich hatte aber keine Chance anzuhalten. Die Massen an Fahrzeugführer hinter mir werden eh schon wegen meines abrupten Langsamfahrens gestöhnt haben. Schade! Auch für ein Reh am Straßenrand blieb keine Gelegenheit. Wir haben wohl typischen Berufsverkehr erlebt. Wat ne Menge Trucks – hin wie her!
Und diese Schleuderkiste mit 90 km/h vorwärts zu kriegen, strengte mich ganz schön an. Da kam der Norbury Lake gerade recht. Der liegt sogar auf der Abkürzung/Nebenstrecke nach Fort Steele und offenbart eine herrliche Landschaft. Gerade sah ich einen Zug kommen und fuhr links ran. Wir bekamen aber die Technik leider nicht so schnell klar, dass wir auch den Anfang des Zuges aufnehmen konnten. Ich filmte trotzdem – allein schon weil der Zug durch so herrliche Landschaft fuhr (B20). Unser erster Zug! Nun aber weiter, denn der Hunger schrie! Und Hunger macht bekanntlich böse. Wir suchten uns einen schönen Platz aus und parkten ein. Als Nachbarn hatten wir ein Ehepaar aus den USA mit Hund. Aber der war ruhig und störte nicht. Die Frage, ob wir nun Feuer machen können, beantworteten sie uns allerdings nicht eindeutig. Am besten, den Parkwardener fragen. Irgendsolche Typen fuhren da auch zigmal an uns vorbei – der Wardener war es nicht.
Wir sind ja eh hin, um unsere 14 $ einzuwerfen und schauten noch mal intensiv: doch, wir werden Feuer machen können und wir machen es auch. Dann kann der Wardener immer noch sagen, wir sollen es wieder löschen. Vorsorglich holte ich schon mal einen Eimer Wasser vom See. Aber nun auch wirklich schnell das Feuer an, damit unsere Steaks auf den Grill kommen und recht bald in unsere Wänster. Die Kartoffeln in Folie missglückten – waren wohl zu lange und zu intensiv in der Glut. Egal. Mit der Gratis-BBQ-Sauce schmeckte das Steak auch gut. Zwar nur mit etwas Salat fiel das Mahl an sich schmal aus, aber für die vorgerückte Stunde war es auch gut, nicht so reichlich zu essen. Das Tageslicht noch nutzend, machten wir einige Aufnahmen von den Eichhörnchen und dem See. Es wird rucki zucki dunkel, wir hatten nur unser Knäckerchen und ein paar Teelichter sowie Taschenlampen als Lichtquellen. Also schnell alles reingeräumt und rauf auf die – sehr unbequemen! – Stühle und Feuer genießen (B21). Natürlich mit WC und Bier. Gebadet haben wir wegen der schnell einbrechenden Dunkelheit nicht mehr und wollten es uns für den Morgen lassen.
In der Nacht – es war wohl so gegen 2 Uhr – hörten wir ein eigenartiges Geräusch und wunderten uns, was die Amis nachts machen. Nun, die taten gar nichts, außer friedlich pennen. Es war unsere Heizung, die ansprang. Hatten wir gestern wohl nicht bis zum Anschlag zurück gestellt. Aufgrund dessen nehmen wir mal an, dass die Temperatur gut unter 5° C gegangen sein muss. Thomas entschärfte die Heizung fix, wir gingen noch mal im Busch pinkeln und krabbelten wieder in die Schlafsäcke. Leider konnte ich nicht gleich wieder einschlafen und erkannte leichtes Fröstelgefühl. Aber dann übermannte mich wohl doch noch der Halbschlaf. Dörte war wieder sehr früh wach und konnte dadurch ein Reh direkt am Camper beobachten. Halb 8 sind wir dann auch aufgestanden. Ich wäre auch früher raus, nur ließ Dörte uns pennen.
Schön kalt war es heute morgen! Aber Heizung schalteten wir nicht an. Zum Frühstück machte ich Bacon & Eggs, einen heißen Kaffee – das musste zum Aufwärmen reichen. Und da ein Ziel heute die Lussier Hotsprings waren, verzichteten wir – auch der Kälte wegen – auf das Bad im See. Wir hatten so schon zu tun, dass uns warm wird. Trotz vieler Möhlerei wie Abwaschen, Fegen und Camper wischen, wurde uns nur mäßig warm. Also rein in den Camper und losfahren, damit wir die Heizung nutzen können. Die Sonne war zwar gerade über die Berge gekommen, aber wir hatten keine Muße mehr, sie zu genießen. Es war schon 10e und wir hatten noch eine 250-km-Tour vor uns – und das Baden in den Hotsprings! So rauschten wir auch an Fort Steele vorbei und noch vielen anderen schönen Plätzen. Wir genossen die Aussicht bei 90 km/h und bergab oft rasant erscheinender Fahrt. Endlich kamen wir zur Auffahrt zum White Swan PP, auf dessen Weg die heißen Quellen zu finden sind. Die Gravelroad durchschüttelte uns und den Camper mit dem sonstigen Inhalt mehr als kräftig! Das klapperte und schepperte unnormal. Egal – da müssen wir durch. Halb 12 kamen wir bei km 17 dieser Piste auch endlich an und waren nicht schlecht überrascht, dass der Parkplatz voll war.
Da werden die naturbelassenen Hotsprings wohl kein Geheimtipp mehr sein! Umziehen im Camper und runter… und wie erahnt, waren schon etliche in den Pools. Na denn – wir auch vorsichtig rein, hatte Thomas doch von seinen Erfahrungen berichtet. Aaaahhh! War das schön? Eine gute, eine sehr gute Gelegenheit, unsere Marmorhaut abzuändern. Und wir haben es genossen. Interessant war das ganze auch, weil man durch die Anwesenheit der Leute gute Unterhaltung hatte. Ich bot mich zwei Jungs an, sie gemeinsam zu fotografieren – allein mit dem Hintergedanken, dass einer von beiden dann uns zusammen fotografiert (B22). Mein Gedankengang ging auf! Wir wechselten regelmäßig die Becken, angefangen beim heißesten bis ins kälteste. Zum Abschluss noch mal in das wärmste, dann den Weg hoch gestiefelt zum Camper und unser Kreislauf hatte den Rest bekommen. Und Hunger hatten wir! Die letzten geschenkten Cornflakes reichten gerade so für den ersten Moment.
Dann ging die Jagd auf Trucks los. Dabei stellten wir nebenbei fest, dass der Effekt der Sauberkeit, den wir ja mit dem Bad auch erreichen wollten, etwas, nur etwas hinüber war: Gravelroads stauben ungemein! Ich fotografierte die Pools auch mal von oben (B23). Ein Trucker war sogar so nett und bremste sein Riesengefährt ab. Nutzte nicht wirklich was – es staubte trotzdem enorm. Aber diesen Gedanken wird der Trucker weniger gehabt haben, wohl eher den der Sicherheit. Thomas schaffte es in der Zwischenzeit, Trucks (B24) zu fotografieren. So um 1e, 2e rum machten wir uns auf die Weiterfahrt. Es wird wohl mehr nach 2 gewesen sein, denn eine Stunde waren wir ja schon mit dem Baden beschäftigt. Die Abfahrt filmte ich in der Hoffnung, dass uns so ein Truck noch entgegenkommt. Dem war leider nicht so. Aber spannend werden die Aufnahmen trotzdem sein – bei den Kurven?
Wieder festen Boden unter den Rädern rauschten wir durch British Columbia. Am Sinclair Canyon hielten wir für einen Fotostopp an. Einige Kilometer weiter noch einmal, um ein imposantes Flussbett, eingerahmt von herrlichster Landschaft bildtechnisch festzuhalten. Laut Karte war das der Vermillion (B25).
Da trafen wir auch den Biker wieder, mit dem Thomas einen kurzen Austausch über Fotoapparate am Sinclair Canyon geführt hat. Nun aber weiter mit einem Affenzahn – so kam es uns jedenfalls vor. Die Zeit verstrich und auf dem Plan standen noch die Paint Pots und der Marble Canyon. Bei ersterem hatten wir einen guten Zeitpunkt abgefasst, so dass wir unbeobachtet Farbsand einbechern konnten (B26).

Solche Aktionen sind eigentlich nicht erlaubt, aber wir sind ehrliche Verbrecher und haben auch nur ein bisschen mitgenommen. Dass wir hier gefilmt und fotografiert haben, hätte ich nicht erwähnen brauchen... Auffällig waren auch die vielen Pilze. Aber die haben wir stehen lassen. Haben ja keine Ahnung, wie die heißen, geschweige denn schmecken! Die ganze Aktion Paint Pots nahm man gerade ne halbe Stunde in Anspruch, so dass wir den Marble Canyon noch in Ruhe und ohne Hatz bewandern konnten. Angekommen am Parkplatz empfing uns ein Schild, das auf einen Brand im heißen, trockenen Sommer 2003 hinwies. In 40 Tagen brannten die 200 bis 300 Jahre alten Bäume „nieder“ und es wurden 12 % des Kootenay-Nationalparks zerstört. Eine Fläche von 170 km² stand in Flammen. 17 Helicopter und 120 Helfer mühten sich um „Schadensbegrenzung“. Nicht nur, weil uns dieses Schild aufforderte, den Canyon zu bewandern, gingen wir los und waren nach knapp 100 m über die neu angelegten Wege erstaunt.

Was uns aber fast den Atem stocken ließ, war der Anblick der verkohlten Baumstämme und Wurzeln. Mal von denen abgesehen, sahen wir einen nackten Canyon (B27). Thomas und ich haben ihn ja im Mai 2003 noch bewaldet bewandert und waren erschüttert, ergriffen von dem jetzigen Anblick. Der Wanderpfad verläuft nun schon mal ganz anders und ist ja nicht weiter schlimm. Aber mich hat der Anblick des Canyon ins Entsetzen versetzt – ich kann es gar nicht beschreiben! Trauer und Erstaunen zugleich empfand ich. Noch schlimmer war es, als wir eine Gedenktafel vorfanden, die an 2 Kinder erinnerte, die bei diesem Feuer ums Leben kamen. Sie waren nur 5 und 8 Jahre jung geworden. Ist das nicht furchtbar?
Bewundernswert ist wieder, wie die Kanadier damit umgehen: Ist zwar eine Katastrophe, aber es geht weiter. So habe auch ich ein Bild von einer verkohlten Wurzel mit einer jungen nachsprießenden Kiefer gemacht. – Also, mich hat dieses Erlebnis tief bewegt.
Nun nahmen wir aber direkten Weg nach Banff, um auf den Two Jack Lakeside-CG zu kommen. Thomas wollte wohl nicht so direkt und rauschte erst mal Richtung Canmore. Nun, es war nicht sein Fehler, dass wir die Abfahrt nicht nahmen, welche zum Tunnel Mountain-CG führte. Erst beim Rüberrauschen über die Brücke sahen wir das nette Hinweisschild für die Richtung, die wir eigentlich nehmen wollten. Okay, versuchen, eine Wendemöglichkeit zu finden. Thomas stellte schon mal leicht sarkastisch fest, dass das wohl in Canmore (20 km weiter!) sein wird… Nun ganz so schlimm wurde es nicht und er sah eine Querung, die zu nutzen war. Aber bei der Kurve flog alles, was fliegen konnte – Camper können offensichtlich nicht so gut fliegen! Einen kurzen Kommentar für diesen Flugversuch erhielt Thomas aber von uns. Dann stellten wir fest, dass dieser Umweg nur 2 km hinter Banff lag und waren froh, noch vor dem Dunkelwerden auf den Platz zu kommen… und überhaupt noch ein Site zu ergattern: der Campground stand voll und wir waren nicht die letzten Gäste.
Hunger! Da der CG schon teuer ist, luden wir erst mal das Fahrzeug tüchtig voll mit Holz. Für den Preis? Da ist uns doch egal, ob das Holz feucht ist. Thomas durfte gern seine Bedenken äußern, aber wir beachteten sie nur insofern, dass wir versuchten, möglichst Holz von oben zu nehmen. Na und wer sagt es denn: Thomas mühte sich zwar ab mit dem Hackebeilchen, die Teile kleiner zu bekommen, aber das Feuer brannte. Nur die hartnäckigen Kloben kamen im ganzen Stück in den Feuerkessel. Thomas leichte Verletzung ließ ihn erstmal für den Tag das Holzhacken einstellen. Er hatte ja aber auch schon gut geschafft. Das Meiste davon lagerten wir auch ein, weil die ganzen Stämme für den Abend ausreichend waren.
Und dann: das lecker Hühnerpäckchen schmeckte besonders Dörte. Wir wussten ja schon, dass das gut ist, aber Dörte lobte es intensiv. Sie meinte, dass ist der erste Abend, wo sie so richtig voll und satt gegessen ist. Ging uns aber auch so! Na, nun konnte der Abend ja nur perfekt werden. Und wurde er auch. Wir hatten sogar unsere Plane gespannt, um den Wind abzuhalten, was aber nicht wirklich funktionierte. Aber egal. Auch diese Plane war wenigsten einmal zu nutzen! Ehe wir sie gar nicht spannen, haben wir es denn nun schon mal getan.
Wann wir in die Schlafsäcke gekrochen sind, ist nicht mehr zu sagen. Wird wohl halb 11 oder später gewesen sein. Eingeschlafen sind wir fix – ich auch! Aber dann habe ich nachts dermaßen geschwitzt! Ich hatte mich vorsorglich wärmer angezogen, um nicht zu frieren! War wohl nicht ganz so gut. Dann meldete sich intensiv meine Blase. Wenn ich auch bis zum Morgen aushalten wollte… sie nicht. Also raus und pullern… nur nicht so weit laufen… wollte ja nicht noch wacher werden. Die kleinen Probleme mit der Taschenlampe lasse ich jetzt mal unterwähnt. Wieder rein in den Camper und Schlafsack, diesmal nicht so angemöhlt… da stellte ich fest: die Ohrstöppies liegen auf dem Tisch. Also noch mal runter! Da war ich denn endgültig wach! Geschwitzt immer noch, also Luke auf. Dann kam die Befürchtung über mich, dass ich mich so prima erkälten kann. Da ich das nicht brauche die nächsten Tage: Luke wieder zu. Dass Thomas dann noch anfing zu schnarchen und ich mich unzählige Male hin und her wälzte, versteht wohl jeder. Etwas dämmerte ich dann doch wohl ein und fand es fast schade, dass ich – wie abgesprochen ¾ 7 geweckt wurde. Andererseits war ich auch froh, denn mir taten die Knochen weh.
Fröstli! Fröstli! Obendrein noch unausgeschlafen, war mir nun entsprechend kalt. Stunden zuvor noch geschwitzt! Keine Zimperlichkeiten! Schnell schon mal einen Kaffee trinken und ab zum Duschen. Das belebte ungemein. Das Frühstück fiel mit gebratenen Stullen aus, schmeckte aber erstaunlich gut. Noch einige Schritte zum See (B28), Fotos machen, abwaschen – diesmal an der Station – und schon machten wir uns halb 10 auf den Weg. Camper aufgeräumt und gefegt, verließen wir den CG in Richtung Banff. Wir wollten einkaufen und suchten für diesen Zweck den Parkplatz, der uns schon aus Vorjahren bekannt war. Eine Baustelle in der Hauptstraße zwang uns, einen neuen Weg zu fahren. Dabei entdeckten wir das Firedepartment. Thomas hatte sofort den Gedanken, da noch einen Erfahrungs- und Shirtaustausch zu tätigen. Aber erst mal rein in die Geschäfte! Erfolgreich steigerten wir den Umsatz dieser Touristenstadt und freuten uns unserer Errungenschaften. Der Laden allerdings, wo ich damals mein Hemd erwarb, enttäuschte uns diesmal.
Die Suche nach einem Lebensmittelladen blieb hingegen für uns erfolglos und wir verschoben diesen Einkauf auf Field. Nun die Feuerwehr! Thomas erledigte diesen Part – ebenfalls mit Erfolg (B29) – und wir holten das Leergut aus dem Camper, denn wir hatten unmittelbar neben dem Feuerwehrgebäude eine Entsor-gungsstation vorgefunden. Weg mit dem Zeug, auch wenn wir keinen Cent dafür bekamen.
Frohen Mutes stiefelten wir unserem Fahrzeug entgegen, machten noch fix Aufnahmen, wie wir stolz die Albertaflagge schwingen und gaben den heiß begehrten Parkplatz frei. Die erlaubten 3 Stunden waren auch um. Rausgewuselt aus Banff, fuhren wir geradewegs auf den Bahnhof zu. Hatten wir ihn beim letzten Mal trostlos und verlassen vorgefunden, zierte ihn heute der Royal Canadian Pacific. Welch ein Anblick! Und Thomas seine Laune war fast auf dem Höhepunkt. Filmen, Fotografieren – Pflicht! Sogar ein Schwätzchen machte er mit dem Lokführer (B30). Ich fotografierte die beiden vor dem Zug. Als ich die Gleise zurück überquerte – von Sicherheitsbedenken keine Spur! – sah ich, dass ein Güterzug kommt. Den konnte Thomas nun auch noch filmen – im „Vordergrund“ der braune RCP! Dörte zählte 82 Waggons.
Wir fanden den Tag schon mal recht erfolgreich und düsten den Highway 1 in Richtung Field. Es stand ja nun erst recht bevor, den Royal Canadian beim Spiraltunnel zu filmen. Denn Thomas hatte erfahren, dass der um 16.20 h den Tunnel durchfährt. Unser Vorhaben war nun, zum Kicking Horse-CG zu fahren, dort einen Platz suchen, diesen fest machen und zu um 16.00 h am Viewpoint zu stehen, um eine gute Position zu ergattern. So taten wir es auch – und das war eine gute Entscheidung, die Vorgehensweise so zu wählen!
Hier angekommen, mussten wir feststellen, dass die schönsten Sites bereits belegt waren. Nach dreimaligem Durchkurven fanden wir aber noch ein für uns ideales Plätzchen (B31). Ja, nach Abchecken der noch zwei anderen möglichen, entschieden wir uns für Nr. 53 und fingen an, Kennzeichen zu hinterlassen, die deutlich zeigen: Der Platz ist besetzt, hier sind wir schon! Das erste und wichtigste Kennzeichen war dabei unsere Registrierkarte, das Ausladen des Holzes und das Zusperren der Einfahrt mit Steinen – das hatten wir auf der Suche nach einem Platz für uns bei vielen anderen auch so gesehen. Okay – das war erledigt und 61,20 $ für 2 Nächte hinterlegt. Inklusive Holz! Das holen wir uns auf der Rücktour – haben wir das Fach doch nun leer.
Rums die Wums, ran an die Touristen-Info in Field, um zu erfragen, wie es mit einem Busplatz zum Lake O’Hara aussieht. Nun, da bekamen wir genauso viel zu hören, wie wir schon wussten: 3 Monate vorher reservieren oder nun „stand by“ oder anrufen. Ein Infoblatt bekamen wir noch mit und hatten nun wenigstens nochmals die genauen Daten schwarz auf weiß. Gut, nun einkaufen: Wasser und Cornflakes, denn beides war zu Ende und wir brauchten neu. Die Idee mit den Cornflakes fanden wir nämlich super. So für zwischendurch – nicht zu verachten! Gleich gegenüber war auch ein ominöser Laden, der zumindest „Gifts“ versprach. Die Frage nach einem Superstore hatten wir natürlich im Visitorcentre vergessen. Dieser kleine Laden offenbarte uns nun sogar ein ausgesuchtes Angebot an Waren, Wasser in Großkanistern aber nicht. Schade, denn wir hatten auf dem Campground festgestellt, dass es da Trinkwasser gibt. Und natürlich hatten wir nun keine Abpackungen mehr! Toll! Wer soll so was ahnen? Na ja – ich hätte das Leergut ja gern bis Arlene mitgenommen, damit sie sich ein paar Cents holen kann. Aber die anderen beiden waren nicht dafür und so war alles ordnungsgemäß entsorgt… Auf meine Frage an die telefonierende Verkäuferin, ob Field einen Superstore besitzt, erhielt ich die freundliche Verneinung: Golden oder Lake Louise Village. Na, aus der Richtung kamen wir ja gerade erst und nach Golden hatten wir für Wasser nicht gerade den Bock. Etwas Toastbrot – weil das aus der Pfanne hervorragend schmeckt (besser als aus der Mikrowelle!) – und eine Tüte Cornflakes nahmen wir dann doch aus dem Laden mit. Obendrein gönnten wir uns ne Tüte Kekse. Alles für 11,42 $ – was soll’s. Die Sachen waren schon notwendig. Wasser nehmen wir vom CG – einen 3-l-Kanister haben wir ja Gott sei Dank noch.
Die Zeit war nun auch ran, unseren Posten am Spiral-Tunnel-Viewpoint einzunehmen. Wir waren auf keinen Fall zu früh da. Thomas ergatterte noch eine gute Position, Dörte und ich tranken erst mal einen Kaffee… nein, wir kochten ihn uns und stießen dann zu Thomas zu.
Gerade mal zwei Schluck genommen, kündigte sich auch schon ein Zug an. Durch die Baumwipfel auf der gegenüber liegenden Seite erkannten wir, dass es der Güterzug mittags aus Banff war. Toll! Den auch noch im Spiraltunnel zu sehen – welch ein Glück. Ein Blick auf die Uhr verriet uns allerdings, dass der Royal Canadian nicht um 16.20 h durchfahren kann. Denn genau diese Zeit zeigte uns der Zeitmesser an. Thomas äußerte selbst, dass er da wohl etwas nicht richtig verstanden hat. Oder war der Zug schon durch? Kommt er noch? Erst mal filmten und fotografierten wir unseren Güterzug aus Banff (B32). Immer noch im Sinnieren, wann der RCP nun kommen könnte, hörte ich einen neuen Zug kommen. Und tatsächlich: Aus entgegen gesetzter Richtung tuckerte einer an. Und was für ein langer Zug. Alle drei Gleise nahm er in Beschlag – wenn ich das mal so ausdrücken kann. Das war schon imposant.
Da aber durch die inzwischen recht hoch gewachsenen Bäume diese Güterzüge schon nicht mehr deutlich zu sehen sind, schlussfolgerten wir, dass der kurze braune Royal Canadian noch weniger Material liefern wird. So beschlossen wir, die Kameras abzubauen und zum CG zurück zu fahren. Immerhin hatten wir doch schöne Aufnahmen machen können.
Bevor wir unsere Parkposition ausgelevelt einnahmen, fuhren wir noch am Holzplatz ran und luden das Fach voll. Aufgeschichtet wurde es an der Feuerstelle, damit es noch Gelegenheit zum Trocknen bekam, denn ziemlich feucht sind auch diese Kloben. Aber sie brennen, wenn denn genug Hitze im Kessel ist. Zu Beginn nahmen wir noch das aus Banff, um unsere Spieße zu grillen. Mit Zwiebel-Tomaten-Nudeln stellte alles zusammen eine leckere Mahlzeit dar. Weil es während des Essens doch etwas kaltwindig war, spannten wir wieder unsere Plane. Das tat auch schon gut. Leider war zwischen Camper und dem einen Baum noch eine Lücke, aber es war auszuhalten. Die Spieße waren natürlich schnell aufgegessen. Wir nutzten noch das Tageslicht, um aufzuräumen und mein neues Bett zu bauen: Ich habe beschlossen, dass ich besser pennen kann, wenn ich das Tisch-Bett nehme. Da oben kann ich mich nicht drehen und wenden!
Dann war alles parat: Bier und Utensilien für eine Mischung standen auf der Bank bereit, wir machten es uns auf unseren Stühlen so bequem wie es die Dinger zulassen und fingen an, unser Knäckerchen zu genießen. Dabei konnten wir beobachten, wie noch einige Fahrzeuge kamen. Da freuten wir uns nochmals über unsere Vorgehensweise. So genossen wir unsere Drinks, machten noch Fotos und freuten uns weiter über unseren schönen Platz. So um 10e/11e sind wir dann rein in unsere „Hütte“ – zuvor bewunderten wir noch den gigantischen Sternenhimmel auf und vom Weg zum Klo. Komisch ausgedrückt… also: der Sternenhimmel war gigantisch als wir zum Klo gingen und er war es immer noch, als wir wieder zum Camper zurück sind! Vom großen Wagen war allerdings nur die Deichsel zu sehen – alles andere war hinterm Berg.
Beim Knäckerchen besprachen wir auch noch unsere Vorgehensweise für den kommenden Tag. Uns blieb ja nur, morgens um 8 anzurufen, ob wir Sonntag in den Bus passen oder/und uns frühzeitig zu postieren. Den Versuch wollten wir zumindest machen. Die Nacht war dann ¾ 7 vorüber. Nach dem Muss-sein-Kaffee für Dörte und mich, ging Thomas schon mal duschen, danach wir schön im Wechsel. Erste gute Tat vollendet, gingen Thomas und ich telefonieren. Spätestens an dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ich trotz auf Gurt sehr gut geschlafen habe. Thomas hingegen nicht und fror seit halb 6 nur noch. Das Telefonieren klappte dann auch nicht so, wie es uns auf der Telefonkarte und die Stimme im Hörer vorgaben. Wir sollten den Ländercode wählen! Den hatten wir (250) eigentlich dabei. Um auf Nummer Sicher zu gehen, gingen wir erst mal zum Camper zurück, um in unseren Prospekten den Ländercode ausfindig zu machen. Die Suche bestätigte uns die 250 für British Columbia! Nun war nur noch die Idee, die 001 für Kanada vorzuwählen. So packten wir schon alles zusammen, um unten am Fernsprecher noch einen Versuch zu starten… doch was machte Thomas? Er fuhr da mal glatt vorbei! Ich meinte dann nur noch, dass wir das Telefonieren nun lassen und zum Parkplatz fahren. Der sollte in linker Richtung liegen, aber Thomas fuhr rechts! Thomas hatte offensichtlich den Plan falsch verstanden. Nun beim Visitorcentre wenden. Dort fragen? Was sollten wir heute auf eine erneute Frage anderes zu hören bekommen? Obendrein hatten wir es doch schwarz auf weiß! Also hin zum Lake O’Hara-Parkplatz.
Da zu unserem Plan ebenfalls gehörte, das Frühstück auf diesem Parkplatz zu uns zu nehmen, wurde ein Stellplatz gesucht. Zugegeben, das war nicht einfach – proppenvoll das Ding. Aber daran konnten wir nun mal nichts ändern. Während meines zwischenzeitlichen Erkundungsgangs wurde in die noch einzige Lücke eingesetzt. Ich reichte die Info weiter, dass man an dem Häuschen zu stehen hat und abwarten muss: Wer kommt zuerst, hat als erster die Chance! Hieß für uns: aufteilen und im Wechsel in der Kälte stehen. Bis hierhin habe ich ja noch gar nicht notiert, wie a…kalt das war! Bereifte Blätter zeigten das schon an, die befrorenen Scheiben der overnight parking cars gaben uns Sicherheit, dass es unter Null Grad war! Dörte zog sich warm an und bezog ersten Posten, bewaffnet mit Kaffee und Kekse. Ich machte für Thomas und mich die Pfannenbrote für ein kleines Frühstück. Dass wir vorher noch unseren Kaffee wieder zusammenfegen mussten, weil ich mit meinem Kopf hoch kam, als Dörte gerade Kaffee in die Tassen füllte und ich ihr das Glas aus der Hand haute, war unser Missgeschick… Wir retteten an Kaffee, was noch zu retten war.
Nach einer Viertelstunde – die gerade unser Frühstück dauerte – habe ich mich warm angezogen, um Dörte abzulösen. Ihr war zwar noch nicht kalt, aber frühstücken wollte sie doch. Zwischenzeitlich kam Thomas auch zu mir; bis dahin war schon mal ein Bus gekommen und es entstand geschäftige Bewegung unter den Leuten am Wartepunkt. So schickte ich Thomas zurück, um Geld, Parkkarte, Dörte und Technik zu holen, da es so aussah, als ob es in wenigen Minuten losgeht. So vernahm ich es jedenfalls aus den englischen Gesprächsfetzen. Aber dann kam die Lösung: Das war der Bus, der die Lodge-Gäste kutschiert. Leichte Entspannung… und weiter warten. Ein erster Bus kam, ein zweiter Bus kam, immer mehr Menschen hatten sich angesammelt mit viel Gepäck! Dann kam ein Pick up mit einer Frau mit einer Liste auf unseren Pulk zu und fragte „Lastname“ ab. Ehe ich mich versah, hatten sich zwei „Leute“ vor mir auf die Liste setzen lassen, obwohl wir mit Abstand die ersten „Stand by“-Touristen dort waren. Ist nicht so, dass man sich anstellt, wie es sich eigentlich gehört… „1th come“ bedeutet hier, wer zuerst seinen Namen auf die Liste kriegt. Nun ja, wenn man so blutige Anfänger wie wir sind, packt man es nicht, als erster auf die Liste zu kommen. Man benötigt ja auch eine kleine Minute, um die Lage überhaupt zu sondieren. Es gelang mir, uns als dritte auf die Liste notieren zu lassen. Nun bangte ich, ob die anderen beiden rechtzeitig rankommen, weil die Busse sich zur Abfahrt positionierten und die ersten Fahrgäste – mit Tickets! – einstiegen. Sie kamen noch rechtzeitig, ich brauchte nicht mehr alleine bangen. Immer noch kamen Leute hinzu mit viel Gepäck… und Tickets? Die Pick-up-Lady sagte etwas – ich bekam aber nicht viel, eigentlich gar nichts mit. Nur an der Reaktion der anderen Listenleute erahnten wir, dass es mit unserem Ausflug wohl nichts wird. Meine individuelle Nachfrage bei der Lady gab uns Gewissheit: Bus voll, alle sind gekommen, nichts mit stand by. Nun war es völlig egal, welche Position wir auf der Liste hatten! Die Uhr zeigte uns kurz nach 10. Was nun? Dörte und ich waren erst mal zuversichtlich: Wenn wir schon mal hier sind, die restlichen 11 km zu wandern! Aber genauere Überlegungen, angeregt durch Thomas berechtigte Hinweise, ließen dieses Vorhaben scheitern. So ausgebuffte Wanderer sind wir denn doch nicht. Im Gegensatz zu all den anderen hier sahen wir wie die ausgemachten Touries aus. Die 11 km hätten gut vier Stunden, wenn nicht noch mehr, in Anspruch genommen. Dann der Rückweg: wenn auch etwas schneller, aber mit drei Stunden immer noch anzusetzen. Eine Wanderung von gut 8 Stunden, wir ausgerüstet wie Sonntagsspaziergänger und schon nach 10e brachte einstimmig die vernünftige Entscheidung, diesen Hike zu lassen. Also kein Lake O’Hara, den wir uns denn ja auch nur eine Minute hätten angucken können, wären wir wirklich gewandert. Na gut, kommt Plan B des Tages zum Einsatz. Der besagt, den Takkakaw-Fall anzusehen, die Natural Bridge und den Emerald Lake. Diese Reihenfolge gab schon der Weg an sich vor.
Also los! Um die Ecke geschaut, weil wir 10.32 h an der Bushaltestelle des Lake O’Hara Transit vorbeifuhren, zeigte uns noch die Staubwolke der beiden Busse. Pünktlich waren die und muss man als Ticketbesitzer auch sein! Na denn, nun wussten wir genau Bescheid: Ist wohl doch am besten, ein viertel Jahr vorher Day-Tickets zu kaufen. Besonders wenn man auf einem Wochenende so einen Ausflug vor hat!
Aber dieses Jahr war ja wenigstens schon die Straße zum Takkakaw Fall offen – also die hoch. Von der berühmten Kurve hatten wir in Waterton auf dem CG gehört und nun standen wir selbst davor. Thomas hatte das Hinweisschild wohl nicht so deuten wollen, wie er es sollte. Also sind wir nochmals hin, um dieses zu studieren. Es wies uns an, rückwärts hoch zu fahren, um dann wieder vorwärts den Rest der Hürde zu nehmen. Auch wenn er vielleicht versuchen wollte, die Anhöhe vorwärts zu fahren, hielten wenigsten wir ihn davon ab.
Der Takkakaw Fall bot einen sehr schönen Anblick, wie da 254 m das Wasser runter schoss( B33). Ist schon ein gigantisches Teil. Eingebettet in herrlichster Landschaft, abfließend oder füllend den Yoho River. Bei herrlichstem Sonnenschein ein Vergnügen, dies zu sehen. Eine kleine Weile – so gut ne Stunde – hielten wir uns hier auf und verzerrten gegen ersten Hunger einen Apfel.
Nun weiter zur Natural Bridge. Die Aufnahmen wurden von herumkletternden Fotofanatischen gestört, die meinten, auf dem Bauch kriechend das reißende Wasser fotografieren zu müssen. Videoaufnahmen machte ich, auf Fotos verzichteten wir erst mal. Wir wollten die NATURAL BRIDGE und nicht Typen fotografieren. So müssen wir auf der Rückfahrt noch einen Versuch starten und fuhren erstmal weiter zum Emerald Lake. Der völlig volle Parkplatz ließ Thomas wieder eine Bemerkung entweichen, doch er parkte ein. Der zweite Hunger meldete sich und wir aßen ein Schüsselchen neue Cornflakes. Danach rüsteten wir uns für die Wanderung um den See = 5,8 km. Na, das sollte doch wohl zu schaffen sein bei fast ebener Strecke. War es ja auch. Begonnen hatten wir die Wanderung gleich mal bei der Lodge, was auch gut war. Sieht man auf den ersten Blick nur ein paar Hütten, offenbart es sich als für unser Verständnis viel zu große Anlage. Ein Stückchen gerodeter Wald ließ uns schlussfolgern, dass da noch ein paar Häuser hinzu kommen. Furchtbar – fanden wir.
Den weiteren Weg von gut 5 km genossen wir nun aber, immer mal wieder unterbrechend (B34), um vermeintlich schöne Perspektiven auf Film zu bannen. Der See zeigte sich in verschiedenen Türkistönen, abhängig die Intensität vom Blickwinkel, den man gerade hatte. Aber immer schön – sehr schön. Einige Hobby-Kanuten waren auch unterwegs. Die verursachten kleine Welle, wobei wir das glasklare Wasser ohnehin vermissten. Ist halt eine andere Jahreszeit und der See mit mehr Wasser gefüllt. Ich schlug zwar vor der Wanderung auch vor, selbst eine Kanufahrt zu machen, was aber mit Thomas Frage „Kannst du Kanu fahren?“ und Dörtes Vorliebe für festen Boden unter den Füßen keine Anerkennung fand. Nicht weiter tragisch, aber Thomas seine Begründung irritierte mich doch, weil bei anderen Absichten zu diesem Thema diese Frage nie kam.
Nach einem kurzen Einkaufsbummel im einzigen Shop steuerten wir nochmals die Natural Bridge an und hatten nun keine Turner mehr, dafür natürlich schlechteres Licht für die nun zu knipsenden Bilder (B35).
Noch mal an den Holzplatz gefahren, platzierten wir den Camper und tranken gegen 5e einen Kaffee. Die Vorbereitungen für das Abendessen – Steaks – begannen. Diese mussten zum restlichen Auftauen noch Sonne abbekommen. Um sie diesmal genüsslicher zu grillen, wurde für mehr Glut gesorgt. Während ich all diese Zeilen schrieb, bastelte Dörte das Essen weiter fertig und wir konnten zu unseren Steaks Pellkartoffeln mit gebratenen Bohnen schmausen – lecker, lecker; das ist doch immer was Feines!
Ich schrieb gleich weiter und die beiden erledigten die Aufräumarbeiten. Zwischendurch bin ich zum Kicking Horse River (B36) auf der Rückseite unseres Sites zum Fotografieren und um meine Hand zu entspannen. Nunmehr ist Abendstimmung angesagt und wir haben die Mini-Musikanlage laufen. Die erste Mischung und das lodernde Feuer sind parat.
16.09.;
In der Zeit, wo Dörte Frühstück macht, schreibe ich noch schnell mal vergessene Einzelheiten auf. Und einer muss ja auch am Feuerkessel sitzen. Weil heute Sonntag ist und wir viel Zeit haben, erlauben wir uns ein Morgenknäckerchen. So, welche Episoden habe ich noch einzufügen? Da wäre doch die Sache mit dem Sockenfach. Das kam schon lustig, wie wir so am allmorgendlichen Aufräumen und Betten machen waren und Dörte feststellte, welch Unordnung doch in ihrem Sockenfach herrscht. Nanu, sage ich, du hast ein Sockenfach? Wir quetschen unsere Klamotten in ein Fach rein und du hast ein Sockenfach? Wir haben herzlich über das Sockenfach gelacht – und immer wieder, wenn so eine Situation entsteht.
Das Wetter: Bis jetzt war jeder Tag sonnig, abgesehen von Waterton. Sobald die Sonne durch ist, wird es auch warm. Allerdings merkt man im Schatten schon, dass es bereits Herbst ist. Genauso ist es abends recht schnell frisch, sobald die Sonnte untergeht. Von der abrupt einbrechenden Dunkelheit, wenn die Sonne hinter den Bergen ist, mal ganz zu schweigen. Genauso morgens in umgekehrter Reihenfolge: innerhalb weniger Minuten, von einem Moment auf den nächsten ist es hell. Hinzu kommt, dass es da extrem frisch ist, um nicht antiwarm zu sagen. Hier am Kicking Horse waren auch die ersten Fröste zu vernehmen. Ich selbst und auch Dörte haben noch nicht so sehr gefroren, aber Thomas. Nun, wenn er sich nicht warm genug anzieht? Eigentlich hat auch schon die Variante mit dem bezogenen Schlafsack wenigstens bei mir einen gewissen Komfort erwirkt. Wir haben nämlich dieses Jahr unsere Kuschelbettwäsche statt eines Schlafsacks mitgebracht. Wir waren uns aber ganz schnell einig, dass das Mitschleppen eines Schlafsacks allemal vorteilhafter als Kuschelbettwäsche ist!
Nun, die restliche Kälte jagen wir mit Duschen aus dem Körper und mit unseren morgendlichen Tätigkeiten. Immer in Bewegung sein – dann geht es auch. Und als letzte Aufwärmung steht uns die Heizung während der Fahrt zur Verfügung.
Thomas hat sich dieses Jahr gegen Brandverletzungen mit Handschuhen gewappnet. Die Plane hat sich auch schon als recht nützlich erwiesen. Nur die gemieteten Stühle bleiben nach wie vor unbequem.
Die Frühstücksteller erwiesen sich als nicht brauchbar, da hier schon das Porzellantier abgebissen hat und doch relativ große Ecken im Rand fehlen. Die sind nur noch für einen Polterabend gut. Apropo: Eine Hochzeitszeremonie konnten wir gestern an der Emerald Lake Lodge per Fernglas beobachten. Für diesen Zweck eignet sich die Anlage gut, Urlaub würde ich persönlich da nicht machen. Wäre mir viel zu groß und zu spießig. Spießig – diesen Ausdruck verwandte ich auch, als wir am Geldautomaten in Coleman den vor 14 Jahren eingewanderten gebürtigen Dresdner trafen und er uns das Fairmont Resort empfohlen hat. Nein, da sind uns die Lussier Hotsprings wesentlich „wilder“. Genauso wild wie die kleine Maus , die (B37)wir auf dem Ende der gestrigen Wanderung gefilmt und fotografiert haben. Ein Passant vor uns hatte sie entdeckt und wir wurden auf das Mäuschen aufmerksam. Gut, so wild war es auch wieder nicht, es zeigte nicht unbedingt Scheu und ließ sich in Ruhe von etlichen Leuten ins Visier nehmen. Das andere Wildtier – die Wespe – hat Dörte erschlagen, weil das im Camper ungemütlich wird.
Okay. – Wir ließen uns morgens Zeit, den Platz zu verlassen. Nach dem Frühstück war uns wichtig, erst mal das Geschenkefach – nicht das Sockenfach – aufzuräumen und zu sortieren. Für mich stellte sich heraus, dass ich ausreichend T-Shirts und kleine Souvenirs gekauft habe. Nur noch, wenn ich wirklich was Neckisches sehe, werde ich zuschlagen. Durch diese Inventur und dem sonstigen Aufräumen sind wir auch tatsächlich erst 10.54 h los. Nun ging es auf direktem Weg zurück zum Lake Louise. Wollten wir auch noch im gleichnamigen Village einkaufen, planten wir diese Unternehmung ans Ende der Lake-Besichtigungstour. Also dran vorbei und zum berühmten See. Es empfing uns wieder ein mächtig voller Parkplatz, aber eine Lücke fanden wir dennoch schnell. Thomas war es zu viel Gewusel, er bewachte den Camper. Obwohl sich etwas diesige Luft zeigte, marschierten Dörte und ich zum obligatorischen Muss-Foto los. Es war tatsächlich nicht einfach, hierfür einen geeigneten Platz zu finden.
Eine Lady bot sich sofort an, ein Foto von uns beiden (B38) zu machen – und natürlich hatte auch sie den Gedanken dabei, dass wir sie mit ihren Begleiterinnen fotografieren. You are wellcome! Auf unserem Flaniergang staunte Dörte immer wieder, was für ein Riesenteil dieses Chateau ist. Und dann wurde ja noch vor Jahren ein kleineres Teil – klein ist gut! – angebaut. Der See zeigte seine smaragde Farbe, wenn auch etwas milchig. Er gab sich alle Ehre und war das Publikummagnet ultimativ. Die Wanderung zum Lake Agnes haben wir aus zeitlichen Gründen nicht angetreten, auch weil Thomas im Camper verblieben war. Also ab zur nächsten Attraktion: Moraine Lake. Mit neu gemachter Straße und abklingender Baustelle stellte die Fahrt kein Problem dar. Wähnte ich uns kurz vor dem Ziel, sahen wir einen Posten auf der Straße stehen.
Und nicht nur den: Am rechten Fahrbahnrand standen Camper, Pkws und Jeeps! Und schon sagte der Posten zu uns, dass für RV keine freien Parkplätze am Lake mehr wären und wir rechts hinter den anderen Fahrzeugen parken sollten. Von da aus wären es nur noch 10 min bis zum See. Na gut, wenn das so ist? Vorsichtig an die rechte Seite. Thomas hatte wieder Angst vor vielen Menschen und so gingen Dörte und ich allein den 10-min-Weg. Die 10 min waren aber irgendwie schnell um und kein See in Sicht. Da fiel mir ein: Kanadier und Entfernungen – da haben sie nach wie vor Schwierigkeiten. Aber da wir nun mal unterwegs waren, gingen wir weiter. Die Sicht war noch diesiger, trotzdem machten wir Aufnahmen von dem schönen Bergpanorama (B39) unterwegs.
Man merkte schon, dass man näher am Himmel ist und es war etwas frisch. Weiter voran, so weit weg konnte der See ja nicht mehr sein. Wir schätzten dann die Strecke doch auf über 2 km, ehe wir das Panorama des Sees vernahmen. Aufgrund der Sichtverhältnisse erachteten wir nur wenige Fotoaufnahmen als sinnvoll. Lange hielten wir uns daher nicht auf. Aber wir – besonders Dörte – haben ihn gesehen! Ähnlich milchigsmaragde Färbung wie Lake Louise - Gletschesee halt. Nun den Rückweg angetreten, fanden wir den Verkehr wegen der seitlich parkenden Fahrzeuge wesentlich spektakulärer als den Blick auf den See. So richtig Action kam ins Spiel, wie ein Reisebus eine Fuhre Touristen am See aussetzen wollte, aber nicht weiter kam, weil eine Frau im Gegenfahrzeug nicht am Bus vorbei fahren wollte (B40).
Sie wollte wohl kein Risiko mit dem Mietwagen eingehen. Fazit war, dass der Busfahrer nun dieses Auto an seinem Bus vorbei fuhr und so den entstandenen Verkehrsstau auflöste. Na, das kann ja heiter werden, wenn wir da mit unserem Geschleuder auch lang müssen. Überlegten wir uns nun unterwegs noch, was besser ist: Wenden in drei Zügen oder bis zum Parkplatz vorfahren, legten wir fest, dass alles beides gleich Sch… ist. Der Posten kam uns mit seinem Worki-Torki entgegen. Nanu? Chaos aufgelöst?
Thomas hatte noch an die Aufforderung gedacht, unseren Spiegel einzuklappen, den ich nun wieder öffnete, um zu sehen, wann ich aus meiner Parklücke komme. Nach 8 bis 10 Fahrzeugen war es auch so weit und ich fuhr dem Pulk einfach hinterher. Ein Camper auf der Gegenseite stand schon ne Weile, um uns durchzulassen. Am Lake-Parkplatz selbst fragte dieser Posten nochmals, ob wir parken wollen, denn dann müssten wir zurück. Oh nein, sagte ich „we are ready“. Darauf hin stoppte er den Verkehr nach allen Seiten, so dass ich in Ruhe wenden und den zweiten Teil der Strecke – wieder zurück! – bewältigen konnte. Leider – oder vielleicht doch Gott sei Dank – kamen wir flüssig und ohne Gegenverkehr durch.
Jetzt aber tatsächlich rein ins Lake Louise Village. Wollten wir doch Wasser und Bier kaufen. Wasser ließen wir weg, weil es uns wieder mal zu teuer erschien und wir noch einen kleinen Vorrat vom Kicking Horse CG hatten, der bis morgen reichen muss. Am Bier kamen wir trotz des enormen Preises nicht vorbei! Es stellte sich krass heraus, dass wir in Lethbridge nicht gut eingekauft haben. Und hier schlagen sie sofort zu und nutzen Tourismus und die Abgeschiedenheit voll aus. Na ja, hätten wir besser einkaufen sollen. Auch unsere Lebensmittel – besonders Fleisch – gehen dem Ende zu. Mal schauen, was Jasper so sagt. Ansonsten wird Hinton uns zum Einkaufen dienen müssen; an diesem Ort ist der Tourismus auch nicht mehr so intensiv. Nun auch erst mal Briefmarken kaufen und auf die Karten kleben, die wir bereits am Lake Louise geschrieben hatten. Versehen mit den Marken landeten alle gleich im daneben stehenden Kasten, um in Deutschland hoffentlich recht bald die Empfänger zu erreichen. Letzte Maßnahme: Ran an die Tanke, damit wir nicht noch in Saskatchewan Crossing die teure – noch teuere – Tanke ansteuern müssen. Noch viertel voll und nun mit 173 $ nachgetankt, ist unser Fahrzeug randvoll und wir nahmen den Icefield Parkway unter die Räder – wie andere auch. Aber Baustellen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen gaben mir Sicherheit, den Verkehr nicht aufzuhalten.
Beim Stöbern in Prospekten entdeckte Thomas, dass der Waterfowl Campground nicht geöffnet hat! Deutlich wurde es besonders, weil der Mosquito Creek CG „open“ anzeigte. Na, das passte nun aber gar nicht in mein Konzept. Dabei habe ich im Vorfeld darauf geachtet, nur geöffnete Campgrounds zu notieren. Da sollte Mosquito zu und Waterfowl geöffnet sein. Jetzt war das anders, wie wir aus dem aktuellsten Prospekt bei einem Fotostopp am Crowfoot Glacier deutlich lasen. Was nun? Jasper war zu weit und Mosquito Creek fiel aus – das hätte den künftigen Zeitrahmen genauso gesprengt. Da keiner weiter auf der Strecke lag, musste jetzt der Thompson Creek CG genommen werden. Na denn. Jetzt noch weiter im Plan zum Peyto Lake. Die kleine Wanderung schafften wir noch und konnten einen Blick auf den aufgerichteten Bär werfen. Außer dem wieder obligatorischen Foto reichte der Platz nur noch gerade für ein Foto mit Dörte, damit sie einen Beweis hat, dass auch sie hier war. Gleichzeitig mit uns war eine japanische Reisegruppe mit ähnlichen Absichten da.
Die Kaffeezeit war längst ran, also auch den gekocht. Wir wussten ja nun, wo wir nächtigen werden und dass der Weg nicht mehr allzu weit ist. Knapp eine ¾ h später trafen wir hier ein. Die Dame war sehr nett, nahm uns nur 12 $ ab und ließ uns einen Site aussuchen. Eine Runde rum und wir hatten uns für Nr. 19 entschieden.



Schon am Eingang nahmen wir eine Schubkarre voll Holz für 4 $ mit, damit wir ohne Bedenken heizen können. Wir fingen unsere üblichen Arbeiten an: Thomas Holz auspacken, hacken und heizen (B42), Dörte das Essen vorbereiten – Hühnerbrustpäckchen mit Zwiebel und Möhren sowie Nudeln –,(B41) ich mit Tagebuch schreiben.
Weil heute immer noch Sonntag ist, gönnten wir uns vor und nach dem Essen einen Whiskey. Während wir unsere Päckchen verschmausten, fielen alle 10 m Regentropfen, die nun leider etwas zunehmen. Wenn es nicht noch mehr wird, ist es okay. Unser Feuer hat erst mal ein ungefährliches Ausmaß angenommen, so dass wir drei noch einen Rundgang um den Campground vornehmen. Für Fotos wird es zu spät sein, aber man kann sich ja Motive für morgen früh merken. Fotos von unseren Beschäftigung hatten wir zuvor aber gemacht.
Hatten wir heute morgen eine neue Bettaufteilung festgelegt, ist Thomas der Meinung, sich heute wärmer anzuziehen und die Nacht doch wieder oben zu verbringen. Wir haben versucht, auf ihn einzureden – er will nicht. Dann erhielt er nur noch unsere Mahnung: Wehe er hat morgen wieder miese Laune, weil er gefroren hat.
17.09.;
Mal ein ganz ungewöhnlicher Ort zum Schreiben: Wir sind nämlich gerade im Laundry-Room und lassen die Wäsche sauber werden.
Unser gestriger Rundgang brachte an Wildtieren nichts, an weiteren Wandermöglichkeiten bekamen wir gleichfalls nicht viel zu sehen, zumal es auch anfing zu dämmern. Einen idyllischen Tümpel, der sich zum kurzen Abtauchen geeignet hätte, haben wir gefunden. Man hätte sogar FKK machen können, so versteckt ist der. Abgetaucht sind wir trotzdem nicht – auf so was waren wir nicht vorbereitet. Wir wollten es uns am nächsten Morgen überlegen, ob wir… Ein kleiner Marsch auf die abgesperrte Seite des Campgrounds offenbarte uns einen herrlichen Blick: Thompson Creek eingerahmt mit Bäumen und im Hintergrund Berge. Das wollten wir am nächsten Tag fototechnisch festhalten (B43).
Nun aber wieder zurück zu unserem Feuer. Dörte übernahm den Part des Schürens und war so stolz, wie ihr Feuerchen fackelte. Da es ansonsten auch nicht so kalt war, wärmte es bald zu gut und wir rückten mit der Bank etwas weg. Die Stühle, hatten wir festgelegt, sind auch nicht bequemer als die Bank. Bei Dosenbier und lustigen Unterhaltungen genossen wir das Knäckerchen (B44) und die stockfinstere Umgebung. Dörte traute sich sogar einmal zum Klohäuschen, Thomas und ich bevorzugten den Busch. Wenigstens ich nicht wegen Angst oder so – hätte ja mit Dörte zusammen gehen können… ich war einfach zu faul, so weit zu laufen. Für die Nacht machten wir aus, im Camper unser kleines Geschäft erledigen zu können. Ausgerechnet die Nacht musste ich nicht raus…
Wir hatten gleichfalls ausgemacht, der erste, der wach ist, darf die anderen wecken. Keine Ahnung, ob Thomas schon eher wach war, ich träumte noch, als Dörte kurz vor halb 8 diese Zeit in den Wagen rief. Nun aber schnell, um 8 wollten wir fertig sein! Scherz! Wir ließen uns gut Zeit mit allem und beobachteten amüsiert die Unmengen von Eichhörnchen.
Die machten ganz schön Krawall und flitzten um die Baumstämme. Putzig! Auch Sprünge von Baum zum Baum vollführten sie. Aber für unsere Kamera einfach zu fix. Das muss schon so in Erinnerung bleiben. Ein Eichhörnchen haben Thomas und ich beim Fressen beobachtet (B45), Dörte hat sich zu der Zeit gerade frisch gemacht. Als wir mit der Prozedur auch fertig waren, durfte ich das Tagebuch verzieren, während die beiden das Frühstück machten: Stulle mit Brot. Das hatte zwar dicke Scheiben, schmeckte aber sehr gut. Da scheinen die Kanadier in den Jahren dahinter gekommen zu sein, mehr dunkles Brot und mit Körnern anzubieten. Zwar noch weit entfernt von unserem Schwarzbrot, aber immer noch besser als dieses Mischbrot. Wir brauchten die Scheiben nicht mal aufbraten. Wobei sich dieses Aufbraten als wirklich ausgezeichnete Alternative erweist.
Und wieder so mit allem Drum und Dran sind wir gegen 10e vom Platz. Der Tag begrüßte uns sonnig. Da werden die Aufnahmen von dem Creek sehr gut. Hier trafen wir auch unseren Nachbarn, der uns eine Wanderung zu dem Wasserfall empfahl. So ca. 40 min sollte das in Anspruch nehmen. Wir merkten uns das vor, weil wir diesen Campground nochmals ansteuern wollten. Dieser Platz findet unsere volle Begeisterung – eine sagenhafte Stille und ultra preisgünstig! Er war fast leer; von den 31 geöffneten der insgesamt 55 Sites waren gerade 5 oder 6 belegt. Ich kannte ihn ja schon von 1998 her… na kennen ist zuviel gesagt, denn so detailliert hatte ich ihn nicht mehr in Erinnerung, nur dass er schön ist. Es stellte sich heraus, dass es jener CG ist, wo Kyra sich hat damals kaputt lachen können über die rosa Flamingos mitten in tiefster Wildnis. Die Flamingos waren nicht mehr da, nur noch 2 weiße Plastelämmchen, die als Blumentopf für künstliche Blumen fungierten. Besonders angenehm empfanden wir auch die Temperatur – Frost hat es die Nacht nicht gegeben. Der Morgen erschien uns sogar mild.
Voll des Lobes für diesen Campground… aber wir müssen eben weiter. Die Strecke heute war kurz eingeteilt, da das Wäschewaschen einige Zeit in Anspruch nimmt. Wieder auf dem Icefield Parkway übernahm Dörte die Filmarbeit, um einen Teil – sicher nur ansatzweise – des so was von herrlichen Panoramas aufzunehmen. Ein gigantisches Farbenspiel: grüne Tannen, goldene Espen, helle und dunkle Berge, sogar bunt erschienen etliche. Im Hintergrund strahlend blauer Himmel mit einigen kleinen weißen Wolken. So schön habe ich den Icefield Parkway noch nie gesehen – und ich kann behaupten, ihn schon einige Male gefahren zu sein.

Es dauerte auch nicht allzu lange und die schöne Serpentine kam ins Blickfeld. Bis wir sie erreichten, war eine weitere kleine Weile um. Diese Weite ist so täuschend! Klitzeklein ist man in dieser Gegen und wähnt alles so nah! Angekommen auf dem ultimativen Viewpoint für die Postkartenaufnahmen lenkte eine Ansammlung von Rettungsleuten und Ambulanz (B46)unsere Aufmerksamkeit etwas ab. Was war hier geschehen? War das eine Übung? Nichts war eindeutig in Erfahrung zu bringen. Na ja, hingegangen und gefragt haben wir natürlich auch nicht. Den Rundumblick nahmen wir und genossen ihn so gut es ging bei blendender Sonne und kaltem Wind. Schnell wieder rein in den Camper, denn mild war die Temperatur hier schon nicht mehr. Stillschweigend – nur kleine Bemerkungen die Schönheit der Umgebung betreffend – fuhren wir genießend weiter.
Der nächste Haltepunkt war der Parkplatz am Gletscher. Eis ist von Natur aus kalt – und daraus besteht ein Gletscher bekanntlich – ließ uns doch die langen Unterhosen, dicken Socken und warmen Schuhe anziehen. Kopfmäßig ausgerüstet mit Sonnenbrille und Basecap stapften wir dem Gletscher entgegen. Ja, ja – es wehte schon ein eisiges Windchen und trieb uns die Tränen in die Augen. Für Dörte war es interessant, weil noch unbekannt, zu sehen, wie weit der Gletscher mal ins Land reichte. Der Athabasca Glacier nimmt ja enorm ab! Auch sah er heute sehr braun-schmutzig aus, weil er total voll gestaubt war. Auch war lange nicht so eine große Fläche zum Begehen frei gegeben. Als wir eine riesige Höhle (B47) unter dem Gletscher sahen und die Risse, wussten wir warum. Logisch erscheint es obendrein, dass die Festigkeit nach einem heißen Sommer nicht mehr so gegeben ist.
Diese Vorsicht lassen sie bestimmt spätestens seit dem 04.07.2001 walten, denn da ist nämlich ein 9jähriger Junge abgesackt und konnte nach drei Stunden Rettungsaktion nur noch tot geborgen werden. Wir nutzten die kleine frei gegebene Fläche… nein, wir fotografierten knapp einen Meter daneben die Erinnerungsfotos und baten eine Frau, uns drei gemeinsam aufzunehmen (B48). Videoaufnahmen und Fotos von der Umgebung und der Höhle sowie einige schöne Steine vom Rande des Gletschers werden Erinnerungszwecke erfüllen.
Den Abstieg meisterten wir mit Bravour und ohne Schwierigkeiten und möhlten uns im Camper wieder aus. Trotzdem wir nicht weit auf den Gletscher kamen, taten die warmen Sachen gut. Sind einige andere Besucher nicht mal bis zum Rand des Eises gegangen, weil es ihnen wohl zu kalt war (oder auch zu uninteressant? Wer weiß das schon?), kamen vereinzelt welche nur in kurzen Hosen an. Sind wir nun Frostköttel oder die anderen wahnsinnig? Wir entschieden uns für letzteres.
Nach dem Gletscher standen nur noch schöne Landschaften seitlich des Icefield Parkways und der Athabasca Fall auf dem Programm. Dieser wurde natürlich fototechnisch festgehalten, gleichfalls die Steinpuppen (B49) am Flussufer. So richtig wissen wir deren Bedeutung immer noch nicht. Aber spätestens in Deutschland schaue ich mal in unseren Unmengen von InfoMaterial, wozu die gut sind.
Nun waren es nur noch 30 km bis Jasper und die fuhren wir durch. Gleich rauf auf den Whistler Campground und einen Platz zuteilen lassen. Proppevoll! Von den 100 Powerplätzen bekamen wir heute keinen mehr ab. Na gut, nehmen wir erst mal einen mit Feuerstelle.
18.09.;
Am Platz angekommen, guckten wir uns kurz um, bevor wir unsere Sachen zusammen klaubten, was so alles gewaschen werden soll. Tagebuch und Fototechnik eingepackt und rein nach Jasper. Hier den erst besten Parkplatz eingenommen, denn es standen auch hier bereits Unmengen von Camper, und ab in Richtung Waschsalon.
Unsere Erinnerung war noch gut und wir fanden den schnell im Souterrain. Nicht lange gefackelt und zwei Maschinen befüllt, Waschpulver nach gut Dünken hinterher und ab das Ding für 4 $ (je) und 30 min. Die anderen Maschinen – da schäumte es nur so! Unsere zeigten aber auch Schaumblasen und erstaunlich: unsere Wäsche wurde sogar sauber, obwohl wir mehr den Effekt der Frische angestrebt hatten. Schön! Dann jetzt alles in den Trockner. Zeitlich nahm das mehr in Anspruch, finanziell nicht. Nun waren die Klamotten trocken und wir legten alles schön zusammen. Gut 2 Stunden hat diese Aktion gedauert. Aber wir nutzten die Zeit gleich zum Kaffeetrinken und Tagebuch schreiben. Der Gang auf Toilette eröffnete die Entdeckung, dass wir auch hätten duschen können derweil! Andere – vielleicht Einheimische oder wenigstens die, die sich besser auskannten – nutzten die Zeit für Einkäufe. Auch Thomas war unterwegs, um Loks (B50) zu fotografieren und Geschäfte zu sondieren.
Da es wohl schon halb 6 oder später war, nahmen wir unsere saubere Wäsche zum Einkaufsbummel mit und verstauten sie nicht erst im Camper. Es wurden wieder einige Kleinigkeiten gekauft, aber am wichtigsten waren Filme: 6 Stück für über 25 $! Aber wir brauchten ja welche. So weit war alles erledigt bis auf Geld holen. Eine Bank – eine Geldbank(!) hatten wir nicht gefunden. Wir sind erst mal zurück auf unseren Site. Da wurden wir aber unterwegs aufgehalten: Eine prächtige Herde Wapitis hatte sich zum Fotoshooting für die Massen an Touristen auf der Wiese verteilt und mittendrin der stolze Hirsch (B51). Ein kapitaler Bursche! Äußerst fotogen! Nicht nur Dörte war begeistert; so eine Ansammlung Wapitis habe auch ich noch nicht gesehen. Ach was waren wir froh, stolz, freudig – alles was es so an positiven Gefühlen oder Empfindungen für solch ein Erlebnis gibt.
Während Thomas noch fotografierte und filmte – mit letztem Saft der Kamera, weil wir den Icefield Parkway so ausführlich gefilmt hatten und wir doch auf einen Powerplatz aus waren – sind Dörte und ich hin zur Registratur, um für morgen einen Platz mit Power und Feuerstelle zu reservieren. Nach längerem Suchen und in deutscher Verständigung wies uns der junge Mann den Platz 66M zu – nicht weit ab von unserem heutigen 65D.
Nach diesem aufregenden Erlebnis mit den Wapitis machten wir das Feuerchen an und bereiteten den Rest für die Gemütlichkeit vor. Zu Essen machte Dörte die Rehwurst mit Nudeln und Zwiebeln, gebraten im großen Topf. Sah es erst aus, als ob da noch ne Kleinigkeit für das Frühstück bleiben könnte, futterten wir alles auf. Köstlich war das! Nun noch den Kräuter zur Nachspeise. Die Verdauung an sich wollten wir mit dem Testgang zur Dusche in Gang bringen. Bewaffnet mit dem Plan – der ist ultra wichtig hier – und dem Fotoapparat stiefelten Dörte und ich los, während Thomas das Feuer bewachte. Es dauerte auch gar nicht lange und wir hatten trotz Plan die Orientierung verloren. Und weil es von einer Minute auf die nächste dunkel wird und die Dämmerung sich in Gang setzte, sind wir umgekehrt. Das müssen wir uns noch mal bei Tageslicht besehen und dann doch lieber mehr die Straße nutzen – mit diesem Querfeldein kommt man nicht wirklich ans Ziel.
Thomas hatte inzwischen alles für den Genuss des Feuers hergerichtet und wir machten es uns gemütlich. Wir ließen es bis auf die Glut herunterbrennen und gingen jeder nach der Katzenwäsche in unsere Schlafsäcke. Natürlich vorher in den Busch gepullert – erst für die Nacht war das Camperklo frei gegeben.
Leider konnte ich nicht gut einschlafen. Irgendwann holte mich der Halbschlaf ein und ich fühlte mich heute morgen verständlicherweise unausgeruht. Es war zwar schon hell, es gab aber noch keiner den Starschuss zum Aufstehen. Irgendwann trieben mich aber meine Knochen doch raus und ich wollte eine rauchen. Mann, war das eine A…kälte! Einen Raucher stört das doch nicht! Aber es wollte und wollte nicht angenehmer werden. Auf dem Tisch sah ich dann die gefrorenen Stellen Feuchtigkeit – das waren schon Resultate von guten Minustemperaturen. Wir waren auch mit Sicherheit nicht die einzigen, die vor Kälte schlotterten. War es wohl nun schon um 8, hörte man im Umkreis die Generatoren und Fahrzeugmotoren laufen. Wir halten durch und verzichten auf diesen Luxus! Eher machten wir uns in 10 min Zeitversetzung – wegen des Haarföns – auf den Weg zu den Duschen. Diesmal Straße entlang, so fanden wir die Duschen auch. Gut, kleine Umwege haben wir trotz Plan gemacht, aber wir kamen an. Thomas wartete schon und Übergabe Fahrzeugschlüssel und Fön erfolgte. Es existieren zwar zwei Duschhäuser, aber nur mit je 6 Duschen. Bei der Größe des Campgrounds waren wir auf Wartezeit eingerichtet. Deshalb hatte ich den Fotoapparat mitgenommen. Beides wurde nicht gebraucht! Es war ein Genuss, das warme Wasser zum Aufwärmen nutzen zu können. Unsere Finger waren fast gefroren und man taute jetzt wieder auf. Haare gut gefönt, trotzdem Basecap auf, traten wir den Rückweg an. Meine Orientierung ist natürlich nicht so doll und wir liefen schnurstracks in die falsche Richtung, Also zurück zum Ausgangspunkt, sprich Duschen, und ne neue Route, ständig mit Blick auf den Plan die Richtung des Campers genommen. Im Übrigen stellten wir fest, dass es vor den Duschen auch einen Parkplatz für die Wohnmobile gibt! Nun ja, wir waren halt zu Fuß – geht auch.


Nun nicht mehr ganz so verfröstelt, aber wieder leicht kalt durch das Zu-Fuß-Gehen, verspeisten wir unser Frühstück: Bacon & Eggs und Stulle mit Belag. Alle Aufräumarbeiten erledigt, war uns nur wenig wärmer. Nun aber das Mobil an, Heizung aufgedreht und erst mal fahren, damit Leben in uns kommt. Als Ziel hatten wir heute den Rearguard Fall (B52) ausgesucht. Da sollen die Lachse auf ihrem Weg vom Pazifik zu den Laichgründen eine schwere Hürde zu nehmen haben. Ob es nun so ist, können wir nicht sagen: Lachse bekamen wir nicht zu sehen. Somit auch keine Bären, die, wie wir hofften, diese natürliche Hürde für einen Lachsfang nutzen würden. Der Wasserfall jedoch ist schon ne Wucht (B53) und die Fahrt 100 km dahin lohnten sich.
Zumal wir unterwegs den Mount Robson Park querten, der gleichfalls eine herrliche Landschaft bietet. Selbstverständlich hielten wir am Mount Robson Visitorcentre an – ohne aber unsere Uhren umzustellen – und fotografierten den Berg (B54). Die Spitze war nicht ganz zu sehen, aber er bot einen sehr schönen Anblick. Knips!
Hatten wir am Vortag schon eine Gegend durchfahren, die uns auf den nächsten 20 km mit dem Treffen auf Karibuherden vorbereitete, so durchfuhren wir heute bestimmt 70 km Areal, wo Schilder uns auf Moose Crossing hinwiesen. Weder das eine Tier noch das andere haben wir entdecken können. Nothing! Dabei war gerade heute die Gegend sehr prädestiniert für die Elche! Aber nee! Die wollten sich nicht präsentieren.
Auf der Rückfahrt stoppten wir am Schild des Provincial Parks, um die Ziege, was ein Mountaingoat ist, zu fotografieren. Weil da auch der Portal Lake (B55) ist, bewanderten wir den Pfad, was nur 20 min dauern sollte. Hier vervollständigten wir unsere Steinsammlung vom Wasserfall und nahmen für uns die schönsten Stücke Schiefer mit. Von einem umgestürzten Baum mühte ich noch Stücke von der Wurzel ab und vervollständigte meine Naturaliensammlung. Die Wanderung erwies sich als recht entspannend.
Wir sind dann nach Jasper rein, um endlich Geld zu holen, hatten wir u. a. doch vor, in Hinton einzukaufen. Wieder rauf auf unseren wohlbekannten Parkplatz und ohne Umwege in Richtung InfoCentre um zu erfragen, wo ein Bankomat ist. Diese Peinlichkeit haben wir uns erspart, denn Thomas entdeckte unmittelbar auf der anderen Straßenseite die Geldquelle! Nun auf zur Suche nach einem Superstor – gestern sahen wir ja schon einen Laden, fanden heute noch ein Lädchen. Nee, dann doch lieber zu dem großen… Unterwegs doch noch wieder in diesen Giftshop und in jenen...

Dörte erwarb Handschuhe. Im Superfood – wie der Laden hieß – wurde beschlossen, schon hier den Großeinkauf vorzunehmen. Ich wäre ja dafür gewesen, erst in Hinton einzukaufen und alles, was wir noch so haben, restlos aufzubrauchen. Nun, der Fakt, dass wir hier Zeit dafür haben, sprach dafür. Selbst die Preise scheinen im Rahmen zu liegen. Allerdings konnte ich mich nicht in allen Sachen, besonders Dörtes Auswahl, unterordnen, weil ich auch in Kanada keine Lust habe, den Markennamen mitzubezahlen. Wir kauften ein und hofften, nunmehr bis zum Ende der Reise versorgt zu sein und wirklich nur noch Brot und Wasser zu benötigen. Nun standen wir da mit unserem Wagen voller Einkaufstüten und unserem Karton Wasser… alles hatte gut Gewicht und unser Camper doch mehr als ein Ende weg. So ist Thomas los, das Fahrzeug holen, während wir bei einer Zigarette über unser Hab und Gut wachten. Zum Glück wurde in der Nähe ein Parkplatz gefunden und wir stellten erst mal alles fahrsicher in den Camper. Zwischenzeitlich war die Sonne gänzlich verschwunden und die Berge schienen in Wolken zu verschwinden. Insgesamt war es ein kühler Tag – die Sonne fehlte und lieferte uns so nicht das Aufwärmen wie sonst. Daher sind wir alle drei nicht so wirklich aus dem Frieren raus gekommen und freuen uns schon, die Heizung anschmeißen zu können, wenn uns danach ist. Denn heute haben wir einen Powerplatz! Es wurde trotzdem das Feuer entfacht, um unsere letzten Putenspieße – die übrigens nicht gerade der Hit sind – zu grillen. Mit Pellkartoffeln und Schmorgurken ließen wir sie uns dennoch draußen bei leichtem, frischem Wind gut schmecken. An Wildgetier war heute nichts zu sehen. Nur ich hatte morgens das Glück, für wenige Sekunden einen Kojoten auf dem Campground zu sichten.
19.09.;
Das gestrige Feuer haben wir stehend genossen. Obwohl wir den Camper und die mit Plane bespannte Bankgruppe als Windschutz nutzen wollten – und es natürlich auch taten! – erzeugten die leichten Brisen so umlaufende Winde, dass der Qualm ständig die Richtung wechselte. Nun liefen wir immer etwas ums Feuer herum… waren immer in Bewegung und so nah an der Wärmequelle, wie jeder wollte. Mit ein bisschen Mischung und Nachlegen von den größeren Kloben, die hier bereits lagen, ließen wir es uns gut gehen. Wir hatten sogar so gut geheizt, dass erst das Rost und dann noch die Platte zum Glühen kam. Am witzigsten war der Stein, der in dem Feuerkasten lag und auch zum Glühen gebracht wurde. Wenn wir mit dem „Schürhaken“ rauf klopften, entstanden schöne rote Sternchen. Das war amüsant. Perfekt hätte den Abend das Sichten von Wapitits gemacht, aber wir hörten nur das eigenartige Pfeifen der Männchen in der Ferne.
Da wir Strom hatten, ließen wir die Kamerabatterien sich vollsaugen und konnten abends zum Schlafengehen kräftig heizen sowie Licht machen. Wir einigten uns, dass am Morgen gleich die Heizung angemacht wird. Auch unsere Toilette war wieder freigegeben für die Nacht. So mummelten wir uns schön ein und grunsten los.
Kurz nach 7 schmiss Dörte die Heizung an, Thomas hat schon seit halb 6 darauf gewartet… das Brummen der Heizung ließ an Schlaf nicht mehr denken, aber so paar Minuten blieben wir noch liegen. Wenn uns dieser Morgen auch nicht so kalt wie gestern erschien, waren wir froh, die Heizung voll nutzen zu können. Die Sonne bewegte sich auch ihrem Zenit zu und steigerte schon so unseren Frohsinn. Heute hatte Thomas das Vergnügen, einen Kojoten zu sehen. Die Duschaktion ließen wir weg, weil wir eh in die Miette Hotsprings wollten. Nur gewaschen, Frühstück = Stulle mit Belag, Aufräumen, Abwaschen, Wischen und all die Sachen verstaut.
Bei der Morgenzigarette konnten wir nur Krähen und Eichhörnchen beobachten. Über deren morgendliches Aufwärmtraining – zig Runden um den Baum – amüsierten wir uns herzlich. Ein mutiges kroch auch unter den Nachbarcamper und die Stromstrippe neugierig hoch.
Nun machten wir aber auch los, weil wir noch dumpen und Wasser auffüllen wollten. Das hatten wir inzwischen gut verbraucht. Angekommen an der Dumpstation – wir dachten, es wäre sie, weil da so viele Camper schon anstanden… nein, es war nur der Stau der Fahrzeuge, da die Fahrer die Wapitiherde fotografieren und filmen wollten. Unsere Position war allerdings gar nicht günstig, so dass wir die 3 Hirsche und die vielen Kühe nicht fotografisch festhalten konnten. Sehr bedauerlich, da das Ganze sehr beeindruckend war. Nun, denn weiter zur Dumpstation… und die war doch proppevoll! In Zweierreihen standen sie an, wir sind nur an den Wasserhahn, unseren Tank auffüllen und sämtliches Leergut. Leider bewegte sich die Herde in dieser Zeit nicht wie gehofft in unsere Richtung. Schade. Da immer mehr Camper kamen, wollten wir den Laden nicht lange aufhalten und fuhren nach Jasper rein. Hier stand für Thomas noch der Besuch des Fire Departments auf dem Programm, für Dörte und mich der Cornershop. Wir schauten mehr an, als dass wir kauften. Thomas war da wesentlich erfolgreicher und brachte ein T-Shirt, Aufnäher und Postkarten mit. Auch über den Einsatzbereich, der ja ziemlich groß ist, erfuhr er so einiges. Viel Zeit hatten sie leider nicht zum Reden, da heute Schulungstag ist – wie in Deutschland! Trotzdem hat Thomas noch in Erfahrung bringen können, was da am Viewpoint auf dem Icefield Parkway los war. Eine Übung war das nicht, eher bitterer Ernst: Zwei Kanadier waren wohl am Klettern, jedenfalls stürzte einer 207 m in die Tiefe, der andere hatte die Rettungsmannschaft gerufen. Zu dem Zeitpunkt als wir an der Stelle waren, war der Verletzte schon geborgen und man wartete auf den Helicopter. Den hatten wir ja schon gehört, aber aufgrund der Kälte harrten wir nicht aus. Der Verletzte wurde abtransportiert, verstarb aber heute in den frühen Morgenstunden. Und alkoholisiert soll er gewesen sein!
Gegen Mittag machten wir uns wieder bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg Richtung CG Pocahontas und Miette Hotsprings. Wir kannten die Landschaft ja schon – uns beigeistert sie ja immer wieder – na und Dörte nun auch! Die Strecke Richtung Hinton ist aber auch wirklich ein schönes Stückchen Erde! Ein Panorama – unbeschreiblich! Die Seen und Sumpflandschaft bis an den Yellohead-Highway reichend und im Hintergrund diese gigantisch schönen Berge. Einer schöner und faszinierender als der andere. Da war es nur selbstverständlich, dass wir am Talbot Lake hielten.
Hätte ich fast vergessen: So schön wie das Stück Yellowhead-Highway ist, so befahren ist es auch. Da blieb uns keine Chance anzuhalten, als uns gemütlich am Straßenrand Karl Kojote entgegenkam. Aber nun hatten wir alle drei einen Kojoten gesehen. Ihn aufs Foto zu bannen, wäre natürlich toll gewesen. Schade! Auch für die Rehe unterwegs, nein es waren Ziegenweibchen, blieb keine Chance, war aber lange nicht so schmerzlich, wie das, den Kojoten nicht fotografiert zu bekommen.
Am Talbot Lake (B56) waren inzwischen Info-Tafeln installiert – auf einer konnten wir lesen, dass es auch hier im Jahr 2003 gebrannt hat. Hatten wir uns im Mai 2003 dann doch nicht getäuscht, noch Rauchwolken und verkohlte Baumstämme gesehen zu haben. Denn schon Anfang Mai bis in den August 2003 gab es etliche Brände. Alle 90 bis 120 Jahre gibt es hier solche Brände und seit 100 Jahren war dies im Jahr 2003 wieder ein großer. An einem Tag im August fraß sich ein Feuer 20 km durch den Waldbestand. War schon was los 2003! Auf unserer Tour 2005 haben wir nichts davon registriert, weil wir in BC in den Selkirk Mountains waren.
Wie wir dann den Anblick des Talbot Lakes und der Berge am Genießen sind, beobachtete uns ein kleines pelziges Tier. Ein Eich- oder Streifenhörnchen war das nicht! Thomas tippte eher auf Frettchen oder so. Leider war von den anderen Info-Tafeln nicht zu erfahren, welche Tierchen sich hier außer Vögel und Käfer noch aufhalten. Ich versuchte es zu fotografieren, aber der Auslöser verscheuchte das kleine, weißbauchige Felletwas. Natürlich erfolgten auch Aufnahmen von der Landschaft. Allein schon zum Vergleich und auch für Dörtes Sammlung! Nebenbei machte sich ein Mann daran, sein Kanu ins Wasser zu bringen. Sein Tempo entsprach größter Gemütlichkeit und es dauerte uns zu lange, abzuwarten bis er so weit war; wir sind weiter gefahren durch diesen herrlichen Landstrich.
Recht bald erreichten wir den Campground und machten erst mal unsere Registrierung klar. Hierfür war es notwenig rum zu fahren, sich die vermeintlich schönste Stelle auszusuchen und die Selfregistration vorzunehmen. Das taten wir auch so und befanden Nr. C28 am schönsten. Wir wollten natürlich wieder Feuer machen und nahmen zu den 20,80 $ noch die 7,90 $ für Holz in Kauf. Wenn es dieses hier auch wieder gibt, so taugt es nichts…
Nun ging es zu den Miette Hotsprings. Die einzige intensive Tiefenreinigung stand auf dem Plan. Auch diese Straße bot herrliche Ausblicke – leider nicht auf Tiere. Mit allem Gemöhle des Umziehens – Thomas hatte seine Latschen vergessen und musste noch mal zurück – saßen wir kurz vor 2 im wärmenden Wasser. Ach, haben wir uns das gut gehen lassen! Für 6,15 $ pro Person könnten wir den Rest des Tages da verbringen. Wir genossen den Wechsel von dem 40° C warmen Wasser in 14 bzw. 18° C kaltes Wasser und gingen auch einige Male in das 42° C warme Wasser. (B57) Eine Wohltat! Nach einer ¾ h gönnten wir uns einen Kaffee mit Muffin für insgesamt 9,06 $ und nahmen diesen Snack doch lieber drinnen ein. In der Sonne sitzen wäre zwar schön, aber der Wind bei einer Außentemperatur von 14° C war dann doch nicht so prickelnd. Allein diese Pause verlangte, dass wir uns wieder ins Wasser begeben sollten zum Durchwärmen!
Die Sonne wurde nur vereinzelt von kleinen Wölkchen geschwächt, was Thomas Gelegenheit gab, auch mal wieder gucken zu können… er hatte sich nämlich keine Sonnenbrille mitgenommen. Die war wichtig – meinten wir – damit man das Bad vollends genießen kann. Thomas hielt bis ca. ¾ 4 h aus und meinte genug zu haben. Wir wollten noch mindestens ne halbe Stunde verbleiben, aber schafften es nur noch bis kurz nach 4. Da hatten wir das Gefühl von völlig aufgeweichter Haut. Zum Weiteren waren die Pools erheblich bevölkert worden und die anfängliche Stille war vorbei. Es reichte aber auch einfach. Interessante Gespräche hatten wir bis dahin gleichfalls geführt. Ein Herr aus Hinton erzählte uns u. a., dass man am Reargard Fall (B58) weniger Bären beim Lachsfang beobachten kann, dafür treffen eher clevere Leute ein, die die frisch verendeten Lachse nach ihrem aufopferungsvollen Kampf gegen dieses natürliche Hindernis einsammeln. Und wir dachten, die Bären schaffen sich so ganz leicht ihren nötigen Winterspeck an...
Nach dem intensiven Eincremen wieder draußen, waren wir fix und fertig, meinten Füße aus Blei zu haben und wären glatt schlafen gegangen, wenn der Tag nicht noch so jung gewesen wäre. Hatten wir zwar vor dem Bad noch diese komischen Flakes trocken und ein paar Kekse, im Bad selbst den Muffin gegessen, machte sich enormes Hungergefühl bemerkbar. Schon allein deshalb wäre es mit jetziger Nachtruhe nichts geworden.
Den Shop machten wir jetzt noch von „Landseite“ unsicher; Dörte und Thomas erstanden neue Sonnenbrillen, Thomas und ich Bärenglöckchen! Kurzzeitig nervten wir Dörte damit schon mal! Nun aber mit dem Camper runter auf unseren Site, damit wir die Steaks – wir hatten noch gerade rechtzeitig daran gedacht, sie aus dem Froster zu nehmen – auf den Grill legen können. Mit Bratkartoffeln, angereichert mit Bohnen und Zwiebeln, sollte es ein fantastisches Essen werden (B59).
Auf der Fahrt hielten wir nochmals intensiv Ausschau besonders nach Bären. Nichts! Obwohl es ausreichend, sehr geeignete Plätze und Hintergründe gab, posierte kein Schwarzbär – oder auch anderes Tier – vor diesen schönen Kulissen. Pech gehabt – dann eben nicht. Machen wir Fotos von Bergen! Auf die ist Verlass. Fährt man hin, sind sie auf alle Fälle da. Sie geben immer wieder herrlichste Motive – und diese hier besonders, denn es liegt auf ihnen schon gut Schnee.
Auch die Schattenseite der Wälder bei den Miette Hotsprings zeigte dünne weiße Pracht. Heute Nacht sollen ja auch 0° C werden! Am Tage waren es 14 und morgen sollen es 11 sein – laut Wetteraushang. Jetzt nach unserem Essen selbst haben wir den Eindruck: es ist nicht ganz so kühl. Wir werden sehen, wie es uns ergehen wird. Warm anziehen müssen wir uns aber immer.
20.09.;
Unsere Stühle ließen wir für das Abendknäckerchen wieder weg, weil umlaufende Wind und der entstehende Qualm des feuchten Holzes uns eh wieder permanent ums Feuer laufen ließ. Das ist schon ne lustige Angelegenheit und hält uns zusätzlich warm. Ein schönes Feuer hatten wir uns aufgebaut: Über den eckigen Kasten noch ein feuchtes Stück Holz zum Trocknen gelegt und dieses gleichzeitig als Ablage für brennende Scheite genutzt. Das wurde ein schönes großes Lagerfeuer. Nach einzelnen Windböen setzten jetzt immer mehr und stärkere ein. Das war besonders mir und Dörte doch zu unsicher, unser Feuer weiterhin so groß zu halten. Es entstand unheimlicher Funkenflug und wir wollen nicht schuld am Wandbrand 2007 sein. Allerdings gaben diese Böen unseren feuchten dicken Holzscheiten ordentlich Schub. Das machte wiederum auch Spaß. Noch 3 bis 4 Camper fanden sich auf dem CG ein bzw. standen schon. Auch sie hatten Feuer, aber dies wesentlich früher abgelöscht als wir. Das taten wir diesmal nämlich. Eine mit Wasser gefüllte Flasche musste geopfert werden. Wir sorgen ja immer für reichlich Glut! Aber gestern war uns der Wind einfach zu heftig, um das alleine ausgehen zu lassen.
Schon beim Abendessen beschlossen wir eine neue Schlafordnung: Dörte zog nun auf die Tischliege und wir 2 machten uns hinten die Plastikmatratze so gut es ging gegen Kälte sicher. Thomas alten Schlafplatz zogen wir mit dem Vorhang zu. Nun sollte es für uns nicht mehr so ungemütlich sein, besonders für Thomas. Fast zwingen mussten wir ihn zu dieser Maßnahme! Aber seinen morgendlichen Bericht, wann er angefangen hat zu frieren, wollten wir verhindern… Es wurde dann nicht so kalt, der Wind brachte Wolken mit, so dass die Temperatur wohl nicht bis 0° C runter ging. Hätte ja aber sein können! Wir hatten alle eine gute Nacht und ich weckte die anderen kurz vor halb 8.
Heute hatte Thomas Eier zum Frühstück gekocht und den Tisch gedeckt. Nun noch alles wieder abwaschen, aufräumen – an Wildgetier war nichts außer Eichhörnchen zu sehen – und wir machten uns gegen 10 auf die Weiterfahrt. Unsere Tour führte uns in die Nähe von Hinton. Da mussten wir doch noch rein, um Zigaretten zu kaufen. Gleich am Ortsanfang war ein neues Einkaufsgebiet mit allen Läden, die das Herz begehrt: Supermarkt, Alkoholladen… Für 24 cans Bier und eine Flasche Whiskey waren gleich mal 65 $ weg – aber eine Gratisflagge haben wir wieder dabei! Die nette Dame erklärte uns, wo wir Zigaretten kaufen können: im Safeway. Da fiel uns ein, doch auch gleich noch Brot und Margarine zu kaufen. Die Zigaretten allerdings gab es am Extrastand: Nachdem ich die Verkäuferin umständlich nach dem Preis fragte (25 Stück Players light für 11,87 $ - na wenn das nicht ein Preis ist!) und ihr mitteilte, dass ich 3 Schachteln nehme, nutzte Dörte meinen Vortext fix aus und brauchte nur noch „I take also three“ sagen. Nun waren wir beide wieder versorgt. Bei 3 Schachteln gab es sogar Mengenrabatt, wie uns der Kassenbon im Anschluss aufklärte.
Thomas schätzte ein, dass wir erst in Nordegg tanken müssen. Also fuhren wir das Stück Straße zurück, um auf die 40 zu kommen. Wir sollten viele Tiere zu sehen bekommen – so die Info des Mannes aus Hinton in den Pools. Auch über den Straßenzustandsbericht informierte er sich: Diese Gravelroad sollte gut sein. Na, dann mal los; freudig besonders darauf, Tiere sehen zu werden. Gute Chancen rechneten wir uns schon deshalb aus, weil die Strecke von Touristen mit Sicherheit wenig befahren wird. Wir fuhren erst mal noch auf schön asphaltierter Straße bis diese ohne großen Übergang in die so genannte Gravelroad überging. Für uns sah es eher wie eine Baustelle aus – aber nein, 250 km sollte der Weg so weiter aussehen! Nun fing das Gerassel und Geklapper und Geschepper im Camper an! Wir noch frohen Mutes, fanden das abenteuerlich: kein touristisch erschlossenes Land mehr – das wahre Kanada auch mal sehen! Noch begleiteten uns die Berge (B60) und so bot die Strecke anfänglich ein äußerst phantastisches Bild.
Dann tauchten die ersten Kohleminen auf – war auch ganz interessant zu sehen und ich filmte etwas. Gar nicht weit von der Elk Valley Colemine sahen wir auf einer Anhöhe Bighornsheeps. Erst einige. Aber um diese fotografieren und filmen zu können, gingen wir den Berg hoch – da zeigte sich eine richtig schöne große Herde. Die waren äußerst scheu und für Fotoshootings absolut nicht abgestellt. Wie Thomas für bessere Fotos auf sie zuging, zeigten sie sofort ihren Fluchtinstinkt, was mir wieder gute Videoaufnahmen bescherte. Das waren gut 30 bis 40 Tiere und etliche dickbehörnte Böcke dabei. Na, wenn das nicht viele Tiere sind! (B61)
Also weiter diese braune Piste entlang. Wir trafen keine Menschenseele! Allerdings wurde die Strecke leicht anstrengend. Als Straße würden wir es gar nicht bezeichnen. Feldweg! Oder noch besser: Panzerübungsstrecke! Aber nun waren wir hier und mussten durch da. Wir hofften ja auf weiteres Getier. Und die Gegend sah verdammt gut aus für Elche! Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Frei nach diesem Motto schafften wir Kilometerchen für Kilometerchen. Ups! Da kommen uns Holztrucks entgegen. Und auch hinter uns tauchten welche auf. Nun wurde das Ganze erst recht interessant. Inzwischen befanden wir uns wohl nicht nur im Kohlebergbaugebiet; an frei geschlagenen Flächen war deutlich erkennbar, dass hier intensiv geforstet wird.
Die Sonne schien anfangs, dann fing es leicht an zu tröpfeln. Dörte war von dem Geschuckel und der Ausschau nach Tieren wohl müde und grunste ne Runde ab. Mich selbst strengte die Ausschau nach den vielen Tieren ebenfalls sehr an und ich machte etwas später ein Nickerchen. Thomas fuhr eisern durch die inzwischen braune Brühe. An einem Flusslauf – keine Ahnung mehr, wo das war –, machten wir eine erste kurze Zigaretten- und Pullerpause. Da sahen wir auch zum ersten Mal, wie unser Camper aussah! Gelbbraun und nass. Na, da kann das Putzen ja spaßig werden! Einen weiteren Stopp am Pembina-Fluss und gleichnamigen Restarea machten wir, um Kaffee zu trinken und ne Schale Cornflakes hinter zu spachteln. Und just zu dieser Zeit hagelte es sogar. Noch ein paar Aufnahmen von dieser Gegend gemacht und weiter die braune Gravelroad entlang. Nun hatten wir schon leicht die Nase voll und wollten wieder ordentlichen Weg unter die Räder bekommen. Vier über diese Piste rennende Rehe schafften kurzweilig Abwechslung – aber viel zu schnell, um irgendwelche Kameras zu zücken.
Durch dieses Geschuckel musste selbst Thomas mehr als sonst p… und hielt dadurch schon freiwillig an, so auch noch (B62) mal an einem kleinen namenlosen See. Der sah gut aus, die Berge bildeten ein tolles Panorama und die Wolken – Gewitterwolken! – wurden von der Sonne angestrahlt. Wir erlebten, wenn auch schwach, einen kanadischen Regenbogen. Blitzen sahen wir es nicht, aber es donnerte 2, 3mal laut genug.
Wir strebten immer intensiver Nordegg entgegen. Da – endlich vernünftige Straße und sogar in Richtung Nordegg! Voller Hoffnung fuhren wir da hin, weil wir doch den Camper gleich von außen reinigen und tanken wollten. Der Blick auf die Karte und wo Nordegg nur als Kuller zu sehen ist (nicht größer als Lake Louise Village) ließ aber diese Hoffnung schwinden.
Aber ne Tanke muss da sein, denn Schilder unterwegs wiesen uns indirekt darauf hin: the next 169 km no gas! und so. Und die nächst größere Stadt lag noch weiter weg: Rocky Mountain House. Nordegg kam nun in Sicht und war sehr überschaubar: eine Straße, eine Tanke, ein Museum mit Info und einige Trailerhäuser. Das Museum einschließlich Info stellte sich als „closed“ heraus, die Tanke gleichzeitig als Generalstore – aha. Na dann nehmen wir zu den 170 $ tanken doch auch noch 2 Rollen Papiertücher zum echten Schnäppchenpreis von 1,99 $ mit. Selbst Margarine wäre hier preiswerter gewesen! Auf meine Frage, ob wir den Camper irgendwo säubern könnten, kam spontan: Rocky Mountain House! Nein, da wollten wir nicht noch hin und beschlossen, dann eben dreckig durch die Gegend zu fahren und ihn eventuell auf einem abgelegenen Campground notdürftig zu säubern. Die Lampen und Heckscheibe erledigten wir, während die Säule unser Geld in den Tank schleuste.
Wir hatten uns inzwischen geeinigt, auf dem Creston Fall Campground zu nächtigen. Freudig, wieder auf normaler Straße zu fahren, ging es auf Highway 11 Richtung Banff Nationalpark. Und gleich sahen wir dort 2 Whitetales stehen. Sehr hektische Tiere! Aber es gelangen uns Aufnahmen (B63). Keine 2 km weiter posierte ein Muledeer für uns. Auch nicht schlecht! Da dallern wir über 250 km durch reinste Wildnis, wo sich kaum Mengen bewegen – nur ab und an mal und dann sehr konzentriert! – wo es viele Tiere geben soll und wir sind 10 min auf einem Highway und haben Wildbeobachtung? Sehr komisch ist das. Da kann auch die Herde Bighornsheeps nur leicht trösten.
Begleitet wurden wir nun auch von einem herrlichen Farbenspiel der Laubbäume. Verschiedenste Gelb- und Orangeschattierungen (B64) leuchteten vor dem Tannengrün. Das waren schon Augenweiden. Solch ein Weg führte uns auch zum Campground – es war eine Gravelroad. Gut, sagte Thomas, ist das heute unser Gravelroadtag! Wobei diese noch ging und hellen Staub aufwirbelte! Etwas ominös empfing uns dieser wie wir meinten Campground. Ein einziger riesiger Platz? Wo schon Trucks mit Pferdehänger stehen? Es wurden sogar gerade Pferde ausgeladen. Aber… da links führt ja noch ein Weg runter... fahren wir doch mal den. Wieder ein großer Platz und rechts eine Brücke für Fußgänger. Da hinten waren schon Feuerstellen und Bänke zu erkennen! Sollte es nur ein Zeltplatz sein? Nein, unsere Broschüre sagte uns was anderes. Ein für uns namenloser Zufluss zum Bighornriver führte unter diese Brücke und über die Straße.
Eine Furt! Mit dem Camper auch leicht zu durchfahren. So sind Dörte und ich schon mal zu Fuß vor, um uns die Sites genauer anzusehen. Bisschen komisch war das schon: ein Parkplatz – wieder mal – und die Sachen alle hintragen? Na, ehe wir das machen und sowieso alleine hier sind, stellen wir uns längs hin und haben nur ein paar Schritte zu laufen… so dachten wir und wollten Thomas diesen Entschluss überbringen, als wir den Weg sahen, der denn den eigentlichen Campground erreichen ließ! Da sind wir aber nicht mehr zu Fuß hin und schmiedeten sofort Plan A und Plan B: Wir gucken uns da mal um und können ansonsten immer noch hier vorne stehen. Also ab! Thomas machte sich bereit, die Furt zu durchfahren, ich lief mit der Videokamera voraus, um dieses Ereignis zu filmen. Geglückt! Da entdecke ich doch zu meinen Füßen herrliche Tierspuren in der Pfütze – die sind nun auch noch auf dem Video.
Uns gefiel die Gegend ja immer besser. Vor dieser ganzen Campground-Aktion hielten wir schon am Viewpoint (B65).
Ein sagenhafter Blick (B66) auf den gigantischen Bighorn Canyon! Nun waren wir wegen der Tortur Gravelroad doch etwas entschädigt. Aber aufgemerkt: man muss nicht die Gravelroad fahren, einfach vom Icefield Parkway auf die 11 abbiegen – sollte man sich auf dem Weg nach Jasper befinden –, erreicht man diese Gegend auch!
Wir stellten unseren Camper auf Site 9, nachdem wir den CG durchfahren hatten. Wollten wir erst direkt am Fluss stehen, machte uns der von dort kommende frische Wind die Entscheidung leicht, doch lieber einen weiter im Land zu nehmen. Eine weise Entscheidung! Auch begingen wir den kriminellen Pfad – vorerst gedanklich! Wir füllten zwar die Registriertüte entsprechend aus und legten sie erst mal auf den Sessel.
Dann machten wir uns für einen Spaziergang mit Füße waschen am Bighornriver fertig. Der kleine Wanderweg offenbarte herrliche Blicke und es führten immer wieder Pfade direkt ans Wasser. Einen nahmen wir und suchten eine geeignete Stelle für mein und Dörtes Fußbad. Dauerte auch nicht lange und wir entblößten unsere Füße und rein ins Wasser… kalt ist ja gar kein Begriff für das, was da unsere Füße umspülte! Aber es war dennoch angenehm. Besonders als wir wieder – saubere! – Strümpfe und Schuhwerk anhatten (B67). Und genau diese Stelle wollten wir uns merken, um vielleicht am Morgen kurz abzutauchen. Unsere Navigationskenntnisse ließen uns meinen, dann in der Morgensonne zu sitzen.
Nun noch weiter so gut es ging am Fluss entlang und die restliche Sonne genießen. Das Untergehen der Sonne ist auch hier Sekundensache, also noch die letzten Strahlen ausnutzen – nach dem Essen kann nicht mehr viel gemacht werden. Jetzt hatten wir auch ordentlich Hunger, Thomas machte sofort das Feuer klar und Dörte bereitete die Hühnerpäckchen zu (B68).
Ich nutzte noch die letzte Helligkeit im Camper für Eintragungen. Knapp ne halbe Stunde später waren die Päckchen und die Nudeln fertig und wir ließen es uns schmecken. Teller für das Frühstück mit Tüchern gereinigt – zum Abwaschen war es bereits zu dunkel. Auch für das Schreiben. Das Licht (!) reichte gerade noch aus, um die Schlafstätten bereit zu machen. Eine Mischung Barcadi-Cola wollten wir am Feuer genießen… ups… Cola ist alle. So nahmen wir Thomas seinen Fruchtsaft. Es schmeckte so leidlich… aber… getrunken haben wir es trotzdem. Unsere Stühle bauten wir auch nicht auf, weil wir nicht so lange auf bleiben wollten. Daher fiel auch das Feuer eher klein aus. Sage und schreibe waren wir halb 10 in den Schlafsäcken verschwunden. Es war schon stockduster! Da waren wir wohl alle, nicht nur Thomas als Fahrer, von dieser Gravelroad geschafft.
Wieder bestand die Einigung, nachts im Camper die Toilette zu nutzen und morgens zu heizen. Wir schliefen ein und auch recht gut, bis die Morgenkälte wieder zupackte. Ans Schlafen war nicht wirklich mehr zu denken. Heller war es auch schon – also aufstehen und nicht rumquäken. Das war kurz nach sieben. Unsere Nachbarn ließen schon wieder den Generator laufen. Ich schaltete unsere Heizung ein und mobilisierte die anderen beiden, nachdem ich meine Zigarette geraucht hatte. Kaffee hatte ich auch gemacht, um mich zu bewegen und warm zu werden. Thomas hatte so den Luxus, sofort nach dem Aufstehen, was Heißes trinken zu können. Dörte und ich sind runter zum Fluss – nicht baden! Das war uns doch zu, zu kalt – eisig trifft es besser. Nein, es war ein herrlicher Sonnenaufgang zu vernehmen. Doch bis wir tatsächlich am Wasser und die für uns geeignete Stelle zum Fotografieren gefunden hatten, war die Schönheit hinter einer Wolke verschwunden. Schade! Hier geht wirklich alles in Sekunden. Trotzdem machten wir Fotos. Nun ging es los mit unseren morgendlichen Ritualen: Frühstück = Stulle mit Brot, Zähne putzen und frisch machen; auf den Abwasch verzichteten wir, weil einerseits unser Abwassertank voll sein sollte (blöde Anzeige!) und andererseits wir uns abends in Banff full hook up leisten wollten. Also alles nur noch dingfest gemacht und ab vom Platz. Nun unsere Kriminalität vollendend! Wir hatten den Umschlag nämlich die ganze Zeit auf dem Sessel liegen lassen und wenn ein Parkwardener kommt, wollten wir so tun, als wenn wir gerade losgehen wollten. Da nun keiner gekommen war, lag der Umschlag noch immer hier. Wir hatten abends und auch morgens keine „verdächtige“ Person gesehen und beschlossen nun, ohne die Tüte einzustecken, abzufahren. Da war es zwei Minuten nach 9! So ganz abgebrüht sind wir doch nicht und verzichteten auf den Toilettengang und Müllentsorgung am Pferdeparkplatz – nur nicht noch auffallen!
Umso weiter weg wir sind, umso wohler fühlen wir uns… also fuhren wir nochmals die 6 km Gravelroad, um den Highway 11 in Richtung Saskatchewan Crossing zu erreichen. Dieser Teil des Highways führte natürlich an herrlichsten Landschaften vorbei – aber wirklich! Und die goldenen Espen dazu – welch ein Farbspektakel! Schneebepuderte Berge (B69) rund um den Abraham Lake… und ne steife Brise. Das war allein im Camper schon zu spüren, wie heftig der Wind pfiff. Trotzdem hielten wir an, um das Bild: Berge, See und Farbenspiel auf Foto zu bannen. Und gefilmt – so gut es ging – wurde auch. Wir suchten während der Fahrt wieder den Straßenrand nach Wildtieren ab, als ich Thomas bat anzuhalten, weil ich wissen wollte, ob da am kahlen Berg Mountain Goats sind.
Es war nur eins und besser auch nur mit Fernglas zu sehen, aber wir freuten uns. Sind diese Tiere doch äußerst selten zu Gesicht zu bekommen – aus der Nähe schon mal gar nicht! Ausgiebig beschauten wir das eine Tier abwechselnd durch Fernglas und zoomten es mit der Fototechnik ran. War gar nicht so leicht, das Teil wieder zu finden… bestimmt wird das Foto ein Suchbild werden (B70)!
Aber das tat uns gut, war schon cool, das Mountain Goat gesehen zu haben. Wir fuhren weiter und dann drückte die Blase doch schon heftig. Den Müll hatten wir schon beim Fotostopp am Abraham Lake ordnungsgemäß entsorgt. Da weiter nichts in der Nähe war, fuhren wir wieder auf den Vorplatz des Thompson Creek CG. Erlösung! Kurz überlegten wir, ob wir die Wanderung zu dem empfohlenen Wasserfall machen, entschieden uns aber dagegen, weil wir noch andere Sachen vorhatten und der kalte Wind nicht gerade einladend wirkte. Irgendwie scheinen wir gleich zu frieren, wenn die Sonne nicht scheint und Wärme vortäuscht. Wir sind gebrannte – nein gefrostete Kinder! Also weiter, wir hatten ja nun auch wieder den Icefield Parkway vor uns, der nun von Regenwolken verhängte Berge zeigte, nur ab und an lugten die von wenigen Sonnenstrahlen getroffenen weißen Bergspitzen vor. Trotz Bewölkung hat es nicht geregnet.
Ohne weiteren Zwischenstopp fuhren wir durch. Das Ausfahrtschild nach Lake Louise schienen irgendwelche Witzbolde vertauscht zu haben. Wir waren uns alle drei sicher – hatten es ja auf dem Schild gelesen! –, dass es rechts nach Lake Louise und geradeaus nach Field geht. Wir befanden uns aber auf der Straße nach Field! Na gut. Betrachteten wir den Güterzug neben uns und fuhren weiter, um auf dem Parkplatz Lake O’Hara zu wenden – getan! Wir wollten den Bow Valley Parkway fahren. Durch diese Verzögerung hatten wir das Glück, den Royal Canadian Pacific noch einmal zu filmen mit einer Super-Kullisse. Thomas sprach gerade aus, hier stehen Trainspotter (B71), als er auch schon erkannte, welcher Zug da kommt. Ohne große Überlegung, ob er da günstig parkt, wurde links abgebogen, sich längs gestellt, die Technik geschnappt, rüber über die Straße… und Action!
Das war alles eins! Ein Nachbarspotter wies uns noch darauf hin, dass in 5 min noch ein Zug kommt. Na, wenn das so ist – die 5 min haben wir auch noch. Also postierten wir uns. Dörte und ich saßen dann schon recht ulkig aussehend hinter der Betonbrüstung. Um die Zeit totzuschlagen, fotografierten und filmten wir die Berge und den Bow River. Die 5 min waren schon längst um, Dörte verzog sich frierend in den Camper. Wir wollten noch etwas ausharren. Die Kanadier und ihr Zeitgefühl! Als dann aber die harten Spotter selbst aufgaben, zögerten wir auch nicht mehr und sahen zu, mit dem Camper wieder vernünftig auf die Straße zu kommen. Mit 2 Mann = Frau! Einweisung war das kein Problem.
Der Bow Valley Parkway ist bekanntlich gemütlich mit nur 60 km/h zu befahren. Das nützte uns heute aber gar nichts – wir haben keine Tiere gesehen. Ein Eichhörnchen flitzte mal über die Straße – das war’s dann auch. Ohne Tiersichtung also ab auf den Tunnel Mountain CG, um einen full hook up-Platz zu sichern. Danach sollte es noch mal in die Stadt gehen. Wir tranken nun erst mal unseren Kaffee, schmausten Cornflakes und beschrieben letzte Postkarten, die dann einzustecken waren. Nun zum Shopping am Indianermuseum. Nur minimal wurden wir fündig. Es hatte sich auch leider ganz zugezogen und es fing an zu regnen. Watt’n Glück, dass wir heute den kompletten Luxus nutzen können: Toilette, Heizung, Licht!
War zwar noch nicht schlimm mit dem Regen, aber so waren wir wesentlich entspannter. Nun noch mal die Straße zum Banff Centre hoch, um das berühmte Banff Springs Hotel und die Bow Falls zu fotografieren. Weiterhin stand noch die Fahrt zu den hiesigen Hoodoos aus. Wir gingen zum Aussichtspunkt und sahen 4 Hoodoos, welche uns aber nur ein Schmunzeln abrangen. Das sollen sie sein? Wir fuhren einen Parkplatz weiter, um sie näher zu betrachten, was nicht wirklich viel brachte, außer dass wir noch 2 sahen. Kraxelten zuvor auch einige Leute da umher, haben wir aufgrund des Regens darauf verzichtet, näher an die Steingebilde (B72) heran zu wandern. Wo wir zu Beginn der Reise so faszinierende Hoodoos in Mengen gesehen haben, erschienen diese uns die Mühe nicht wert. Selbst die japanische Reisegruppe hatte nicht viel Bock, bei dem Wetter wie üblich Fotos zu machen.
Was freuten wir uns, dass wir den Camper bedenkenlos heizen können… und Licht machen… und hier aufs Klo gehen. Die Krönung wäre ja, wenn wir hier noch rauchen könnten… Nein, nein, wir wollen mal nicht übertreiben. Also rauf auf den Platz und Abflussrohr angeschlossen, Strom ran, rein ins „Haus“ und gemütlich machen. Jetzt stand nur noch Relaxen auf dem Programm: Thomas ging duschen, ich fing an zu schreiben und Dörte holte ihr Sudoku-Heft vor. Dann kam der Zeitpunkt, nachdem wir einmal ordentlich durchgeheizt hatten, unseren Aperitif-Whiskey zu trinken, was denn auch hieß: Abendessen machen. Dörte kochte Kartoffeln zu gebratenem Fischfilet in Zwiebelfett. Flugs den Tisch gedeckt und das leckere Mal verputzt. Dazu ein schäumendes Canadian“puller“bier – aber heute brauchen wir ja nicht weit laufen – und satt waren wir… den Verdauerwhiskey nicht vergessen und abwaschen. Nun noch eine rauchen und das Abendessen findet den Abschluss. Im Camper hört es sich an, als wenn es draußen gießt – wir würden es heute sogar begrüßen, damit das Gefährt sauber wird, aber es bleibt ein Nieseln.
Stille herrscht im Camper, weil jeder seiner eigenen Beschäftigung nachgeht. Später wollen wir Karten spielen und den Abend – inzwischen auch schon stockdunkel wieder – in unserem gemütlichen Camper verbringen. Witzig! Wo sollten wir auch hin? Dennoch haben wir bis jetzt mit dem Wetter genau richtig gelegen; alles passte. Heute bei Regen Vollkomfort – was wollen wir mehr? Obwohl wir vorhin gedumpt haben, wird uns „Black Water“ immer noch voll angezeigt. Da kann ja wieder nur Klopapier vor dem Sensor sitzen!
22.09.;
Es hatte gestern zwar noch aufgehört zu regnen, aber dieser Campground ist ohne Feuerstelle und bei der Kälte nur im Camper zu genießen. Trotz Kartenspiel verschwanden wir gegen 10e in die Schlafsäcke. Unsere Festlegung für solch einen Platz blieb bestehen: Heizung an, wenn einer friert – na und auf Toilette sowieso. Irgendwann – sehr früh – war für mich die Nacht zu Ende, weil ich doch mächtig fror. So schaltete ich erst mal die Heizung an, auf Toilette, Heizung wieder aus, aber entspannend weiter pennen konnte ich nicht, da Thomas auch noch anfing zu schnarchen. Ich fühlte mich wie gerädert, als so gegen acht auch die anderen die Augen aufmachten und ich endlich aufstehen konnte. Mir war insgesamt recht ungemütlich, ich fror und freute mich auf die Dusche. Da nur eine existierte, mussten wir schnell sein, sie frei zu erwischen. Dörtes Vorschlag, zu zweit unter die Dusche zu gehen, stimmte ich nicht zu. Ich hatte sie schon für eine Person eng in Erinnerung! Dörte überließ nun mir den Vortritt und gab mir 15 min Vorsprung, damit sie nahtlos in die Dusche konnte. Unsere Eile und Strategie erwiesen sich als unbegründet: wir waren die einzigen!
Zur Dusche noch soviel: Ich wollte schon das kalte Wasser mal weglaufen lassen, damit ich es nach dem Ausziehen gleich ordentlich heiß hatte. Mit dieser Idee machte die Dusche nicht mit, auch weil ich den Wasserhahn nicht weit genug aufgedreht hatte! Heiß hatte das Wasser dann nicht als Bezeichnung verdient – leider. Aber mir wurde trotzdem wohler, ich fühlte mich besser und konnte den Tag nun entspannter angehen.
Zum Frühstück gab es Bacon & Eggs – das war lecker. Natürlich ließen wir schön die Heizung laufen. Nun noch Abwasch, die Dumpstation abbauen und die Anschlüsse gleich mal reinigen. Denn gestern beim Öffnen der Deckel hatten wir durch die Modder doch ganz schöne Probleme. Den Camper ganz abzuwaschen, trauten wir uns nicht. Thomas machte nur noch mal das Heckfenster notdürftig sauber. Jetzt alles wieder verstaut und aufgeräumt, fuhren wir los und nahmen den Highway 1 Richtung Canmore/Calgary unter die Räder. Die Straße bzw. der Blick war wieder mal spektakulär, aber wir hielten nicht an, um Fotos zu machen – auch weil nicht wirklich geeignete Stellen zum Halten kamen.
Die Abfahrt auf die 40 verpasste ich, weil ich mich hab vom Bow Valley Visitorcentre irre leiten lassen. Das liegt auf der anderen Seite des Parks im Kananaskis County, wo wir nicht hin wollten. War ja auch schon komisch, dass die 40 da nicht angezeigt war…, nun der Irrtum war schnell korrigiert: ein bisschen hin und her fahren, Wenden in 3 Zügen, schon konnten wir wieder auf dem Highway 1 fahren. Und siehe da: nur ein paar Kilometer weiter kam die richtige Abfahrt – natürlich auch mit der 40 ausgeschildert. Na, dann nehmen wir doch die und rein ins Kananaskis County. Es bot sich gleichfalls ein atemberaubender Anblick (B73). Zu spät fiel uns ein zu filmen, zumal die Sonne schien und die Wolken nicht so tief hingen wie 2003. Wir passierten die „Grenze“ zum Spray Lake PP und just fing es an zu tröpfeln! Hübsch kalt war es immer noch; das merkten wir schon am Barrier Lake Infocentre.
Thomas Unsicherheit, wie „thunderstorm“ zu deuten ist, ließ mich den Wetterbericht nochmals studieren: heute und morgen zu 60 % Regenwahrscheinlichkeit am Nachmittag, Höchsttemperatur heute 14°C, nachts 0, morgen 11, nachts 1 °C! Es wurden für beide Tage tatsächlich Gewitterstürme angesagt! Nach diesem Bericht wurde der Beschluss gefasst, auf den Mount Kidd RV-Park die beiden Nächte zu verbringen und von dort Sternfahrten zu machen, weil sich im unteren Kessel schon zu diesem Zeitpunkt alle schwarzen Wolken versammelten und dort nur Stellplätze sind. Wir fuhren weiter ins County, sahen am Straßenrand noch 2 Ziegen, an denen wir gerade bergab vorbei rauschten. Nicht sehr lange brauchten wir durch diese herrliche Landschaft und kamen am Eingang des RV-Parks an. Wir trabten in das Camping Centre, um einen Platz nur mit Strom und Feuerstelle für 2 Nächte zu buchen. Nach ersten Verständigungsschwierigkeiten wusste die Frau nun, was wir wollten und wies uns den Platz B17 zu. Wieder am Camper wurde über die 38 $ pro Nacht gestutzt. Das ist doch der full hook up-Preis… unser Platz sollte 31 $ kosten. Ich wollte nun diese 14 $ zu viel ausgegeben hinnehmen, aber die beiden meinten, dass das rückgängig zu machen sei. Ich also mit den Papieren zurück und die Frau angesprochen. Nun gab sie mir zu verstehen, dass für 2 Nächte so ein gewünschter Site nicht frei ist und auf meine Frage, ob wir dann trotzdem so viel bezahlen müssen (wir wollen nur Strom!) sie ja sagte. Na ja, wenn das so ist. All dieses hatte sie uns bestimmt schon beim ersten Mal gesagt, aber keiner hatte es verstanden. Ich erklärte nun den beiden den Sachverhalt und wir suchten B17 auf, orientierten uns kurz und setzten Kaffeewasser auf. In dem Moment klopft es an unsere Tür und ich denk noch so: ist aber nett, die Nachbarn begrüßen einen sofort… nein, es war die Tante von der Registratur und gab mir zu verstehen, dass sie doch noch einen Platz gefunden hat und wir umziehen können. Auch bekommen wir die 14 $ Differenz wieder. Also machten wir es so und nahmen nun Platz C25. Mittlerweile war es auch halb 2. Wir beratschlagten uns, zumal das Wolkengetümmel im Süden noch nicht besser war und hier ab und an paar Tropfen fielen, dass wir doch gleich den Camper ausleveln und ans Netz hängen, eine kleine Wanderung vornehmen und morgen die Sternfahrt mit vielen Wanderungen machen. Gesagt – getan: Kaffee austrinken, umziehen für die Wanderung… was gegen Regen tun? Jetzt kamen Omas Regencapes zum Einsatz. So ausgerüstet, zusätzlich mit Fotoapparat und Videokamera, machten wir uns auf den Weg, um den Wegde Pond zu erreichen.
Nach gut 1 km bemerkten wir, dass es die falsche Richtung war. Thomas orientierte sich intensiv, wir gingen zurück und waren endlich auf dem richtigen Weg. Das Wandern wurde erschwert, weil der Weg ausgeteert war. Da es sich aber um einen Radweg handelte, blieb uns nichts weiter übrig, als diesen Untergrund weiterhin in Kauf zu nehmen. Bisschen bergauf, im Wald, den Highway überquerend, diesen dann noch etwas hörend, wanderten wir weiter. Ich suchte einen Wanderstock und fand sogar einen leidlichen. Unsere Regencapes hatten wir überflüssigerweise mit, denn es schien wieder schön die Sonne. Aber: hätten wir sie nicht mitgenommen, hätte es bestimmt geregnet. Nach 2 km zeigte sich auch der Wedge Pond im Sonnenschein, am Horizont vernahmen wir den Mount Kidd. Mitten im Berg lag ein kurioser Schneefleck (B74).
So aus der Entfernung, sah er wie ein Mensch ohne Kopf, aber mit Wanderstab aus. Kurze Raucherpause am See – da kommt doch ein neugieriges Streifenhörnchen zu uns. So gut 30 bis 40 cm wagte es sich mutig an Dörtes Rückseite heran (B75), war aber beim Filmen und Fotografieren sehr scheu. Trotzdem musste es durch da. Wir traten nun den Rückweg an, weil Dörte nicht um den See laufen wollte. Rückwege sind ja immer kürzer und so waren wir schnell wieder am Centre. Wir gingen noch mal rein, auch weil Thomas sich was Süßes zum Kaffee mitnehmen wollte. Wir sackten auch gleich noch ne 3-l-Cola für den Barcardi ein. Der Kaffee hier und ein Muffin dazu waren uns zu teuer, wenn man Kaffee im Camper hat. Also hin zu dem und hier einen getrunken. Den Weg, der um den RV-Park als kleiner Wanderweg zu nutzen wäre, fanden wir nicht, aber Gott sei Dank den Camper!
Beim Kaffeegenuss einigten wir uns, früher zu Abend zu essen, um doch noch den Weg um den Park zu wandern. Dörte und ich spannten die Plane, weil der Wind frisch daher kam und die letzten Sonnenstrahlen abkühlte. Thomas machte das Feuer, welches schwerlich in Gang kommen wollte. Dörte ist am Vorbereiten der Nudeln mit Tomaten und Zwiebeln, wie ich erschnuppere. Das Feuer ist soweit, dass die Folie auf den Grill kann und wir die Würstchen da braten. Rundherum auf den Plätzen ist gut Bewegung: spielende Kinder, Radfahrer… Leider kommen immer mehr Windböen auf. Das scheint ein eigenartiges Gebiet zu sein. Innerhalb von Minuten zieht es sich zu. Wir hoffen mal, unsere Würstchen noch braun zu kriegen. Ich meine auch, leichte Grummelgeräusche zu vernehmen… können aber auch von Thomas Magen oder vom Feuer kommen. So spontan wie das Wetter ist, müssen wir dann wohl auch sein. Mal schauen, ob wir die kleine Wanderung noch machen können. Essen werden wir lieber im Camper. Komisch, komisch, komisch…
23.09.;
Das Wetter blieb gestern noch offen und wir machten nach dem Essen die Wanderung. Dachten wir noch, wir bekommen die Würstchen wegen des aufkommenden Windes nicht knusprig, ging alles gut und wir verschmausten alles gemütlich im geheizten Camper. Teller wieder schön sauber gewischt, damit sie zum Frühstück einsatzfähig sind, alles zusammen geräumt, uns angezogen und besagte Runde gedreht. Dabei entdeckten wir auch die zwei Flüsse, die den Park begrenzen. Da war sogar eine Badestelle gebaut, aber wegen der Temperaturen und unseres zunehmenden Dauerfrierens kam nicht wirklich die Überlegung, ein Bad zu nehmen. Aber wenn es leicht wärmer am Tag werden würde, wäre es schon einen Versuch wert.
Hatten wir auf unserem Rundgang noch überlegt, Karten zu spielen, entschied die gute Witterung, dass wir doch lieber das Feuer neu entfachen. Ist besser, den Abend noch zu genießen, wer weiß was morgen (= heute!) für Wetter ist. Da unser Kohlenanzünder auch nur noch aus einem Stäbchen besteht, gaben wir dem Holz mit Teelichtern Zunder. Geht auch! Der Abend war dann so schön, dass wir übermütig all unser Holz verbrannten und meinten, für heute für 5 $ ein Pack kaufen zu können. Von nebenan schallte von der Partytruppe gut vernehmlich Musik herüber. War sogar etliche Countrymusik dabei. Da lassen sich so gut 10 Jugendliche das Wochenende gut gehen – denken wir. Insgesamt scheint dies der ultimative Partyplatz zu sein: Von überall her hören wir Musik und Gelächter. Auffällig auch, dass immer gleich ganze Truppen auf einem Site sind. Deshalb wohl auch die Großzügigkeit der Stellplätze – wir kommen uns fast verloren vor. Uns störte die „Unruhe“ nicht, fanden es nur recht ungewohnt, weil alle anderen Campgrounds, selbst Waterton und Banff, ruhiger waren. Auf diesem Campground tobt das Leben! So machten wir auch etwas mit, indem wir das schöne Feuerchen machten und ab und an linedancten. Unbedingt kalt war es nicht. Auch hielt uns der umlaufende Qualm mit „Tanzen am Feuer“ in Bewegung; mit Barcardi-Cola und Bier dazu war der Abend perfekt.
Kurz nach 10 sind wir ran gegangen, unsere Betten zu basteln, um dann nach einer letzten Zigarette und Buschpullern in die Schlafsäcke zu kriechen. Und was für ein Timing: kaum lagen wir, da fing es an zu regnen! So kann es sein! Wir konnten erst mal gut pennen, bis – wie in den letzten Nächten schon – uns die Kälte in Halbschlaf versetzte (wenigstens mich). Nach dem Toilettengang zog ich mir meine parat gelegten Sachen an und versuchte, noch ne Mütze Schlaf zu finden. Gelang nur leidlich, da Thomas schnarchte, ich selbst auch von meinem wach wurde und die Kälte den Rest erledigte. Halb 8 stand Dörte auf, machte Wasser für den Kaffee heiß, ich schaltete die Heizung an. Schon ein dringendes Ritual – noch vor der Zigarette! Na, die zu genießen, war heute ein Problem. Die Wolken konnten sich nicht entscheiden zwischen Regen und Schnee und ließen beides fallen. Etwas ungemütlich war das schon. Also Bewegung, um warm zu werden. Wir packten erst mal unsere Klamotten und gingen zum Waschen, damit etwas Kälte aus unseren Knochen schwindet und ein geringes Wohlfühlgefühl einsetzt. Thomas hatte inzwischen die Betten abgebaut. Nach seinem Waschen begannen die üblichen Morgentätigkeiten, wie Frühstück: letzter Bacon & Eggs, Kaffee sowieso. Allmählich wurde es auch auf den Nachbarplätzen lebendiger und man sah verklahmte Figuren rumlaufen. Während Dörte das Frühstück machte und ich schrieb, wollte Thomas die Tür aufreißen! Aber das verhinderten wir und gaben nur die Luke und ein kleines Fenster für Frischluft frei. Gleichfalls wollte er noch während des Essens die Heizung ausschalten. Was ist mit ihm los? Uns ist ein bisschen unverständlich, wieso er heute gegen Wärmezufuhr ist – sonst ist er derjenige gewesen, der permanent friert. Wir gaben ihm den Rat, wenn ihm zu warm ist, kann er sich draußen abkühlen.
Dörte holte heute wieder einen nassen Pullover aus ihrem Schrank – nicht dem Sockenfach! Das war Anlass genug, jetzt mal eine Mängelliste zu notieren: * zu kalte Schlafsäcke; * Feuchtigkeit in dem Fach; * Geschirr teilweise kaputt (Teller und Becher); * Fenster schließen nicht und öffnen sich bei geringster Fahrt; * Abwäscheabfluss defekt, Wasser läuft auf Geschirr und Töpfe; * Lagerfach Boden defekt; * Polsterung schmutzig/krümelig; * alle Schränke innen staubig; * Klettverschlüsse/Vorhänge defekt – nur eine kleine Auswahl!
Da das Wetter nicht sehr viel hergibt, weder Bergeblick noch Wanderungen, werden wir nach Canmore fahren und schauen, was da los ist und die Sonntagsöffnungszeiten nutzen. Hier ist es so grau und mau! Auf der Fahrt in die Stadt durchfuhren wir ein Gebiet im Kananaskis, wo wesentlich mehr Schnee lag. Das war genau am Kananaskis Village, wo ja auch das Skigebiet ist. Dann ging es wieder mehr in Nieselregen über und in Canmore selbst regnete es gar nicht mehr. Die Größe der Stadt festigte die Hoffnung, noch Geld holen zu können und eine Möglichkeit zu finden, den Camper mal abzukärchern. Mühelos fanden wir einen Parkplatz in der Nähe der Mainstreet, wo etliche Geschäfte auf unser Geld lauerten. Als erstes holten wir dies erstmal und legten noch jeder was in die gemeinsame Wirtschaftskasse. Wir flanierten die Einkaufsmeile entlang, mal in diesen Laden, mal in jenen – auch um uns aufzuwärmen. Im 1-$-Shop wurden Thomas und ich fündig und kauften für die letzten Nächte noch je eine Flanelldecke. Und noch ein paar Kleinigkeiten gingen in unseren Besitz über. Nun stand die Frage des Camperwaschens an. Hierzu wollten wir zur Touristeninfo fahren und fragen. Beim Blick auf den Stadtplan erinnerten sich Dörte und Thomas, dass sie etwas von einem Quiltladen gelesen hatten. Den wollten wir uns nun auch noch anschauen. Das ist zwar mehr ein Zubehörladen, es gab unzählige Vorlagen und auch die passenden Stoffe/Garne für die Quilts, aber natürlich waren auch etliche fertige Quilts als Muster ausgestellt. Wie ein Museum heimelte es an – eine wahre Pracht der Handwerkskunst. Thomas fand die Ecke mit den Knöpfen. Da waren Motive mit bei! Alles, aber auch wirklich alles, was man sich nur denken kann: witzige Kinderknöpfe als Püppies, Baseballschläger; Jagdmotive, Tannen, Tiere…, Herzen… ich kann gar nicht alles aufzählen. Eine Wucht – jedes Handarbeitsfanherz schlägt da höher. So kam ich an 2 Tüten Knöpfe natürlich nicht vorbei: Ahornblätter in verschienen Größen, der Schriftzug Canada, der Mounty-Hut, ein Elch… gingen in meinen Besitz über. Irgendeine Verwendung dafür werde ich schon finden…
So, nun konnten wir raus fahren zur Info. Wir durchquerten die Stadt einmal hin und nach der wichtigen Auskunft noch mal zurück. Die erste Waschanlage war zu klein und der nette Mann verwies uns an die zweite. Die denn auch gefunden, wurde schon ein Laster vom fleißigen Fahrer gesäubert. Wir wollten nun erst mal ins Büro und fragen, wie die Wäsche vorzunehmen ist. Uns war ja bewusst, dass wir auf einem Privatparkplatz einparkten und bautz kam einer aus der Tür geschossen und meckerte uns an. Wir verstanden uns gegenseitig nicht – also fuhr ich den Camper wieder weg und einfach vor die Waschanlage. Schließlich wollten wir sowieso die nächsten sein. Ein Büro fanden wir nicht, nur einen Geldwechselautomaten. Aha, eine Münzwaschanlage! Dann mal rein mit dem Teil und loslegen. Die ersten 2 $ verballerten wir ohne jeden Effekt, aussehend wie die Aliens mit Omas Regencapes! Nachdem ich beim Trucker geschaut hatte, welches Waschprogramm er nutzte, ging es auch bei uns richtig los. Weil Thomas die Handschuhe hatte, durfte er kärchern, mir blieb der Job des Geldnachwerfens, wenn ein Loony nach 1,12 min verbraucht war, Dörte überwachte die ganze Angelegenheit. Der ganze Spaß hat vielleicht ne halbe Stunde gedauert und wir erkannten unseren Camper kaum wieder: schmutzig-braun war weg und strah… na ja weiß und bunt stand er wieder vor uns.
Damit war die Zeit insgesamt schon weit genug vorgerückt. Wir fuhren zum Site zurück, um einen Kaffee mit kleinem Imbiss zu uns zu nehmen. Mit allem fertig, war es gut 5e. Thomas und ich sind zum Camping Centre, um Mails zu checken – vor allem die, die wir Arlene mit unserem Ankunftsdatum geschickt hatten. Von den 15 min für 3 $ gingen schon mal 5 min drauf, weil wir uns ein bisschen zu unwissend anstellten, ins Netz zu kommen… Bei Arlene hatten wir uns für den 25. angemeldet – hieß: wir müssen noch eine Übernachtung finden. Im Camper lagen genug Prospekte, Dörte und ich machten uns bei, diese durchzustöbern und einen Campground zu finden. Aufgrund der doch argen Kälte werden wir wieder mindestens mit Power nehmen. Nur das Lagerfeuer wärmt schon lange nicht mehr. Wir einigten uns, in Longview zu schauen oder spätestens in High River, welchen Platz wir noch bekommen.
Obwohl Thomas schon Feuer gemacht hatte, unterbrachen wir das, weil wir lieber nach dem Essen noch ein bisschen Knäckerchen haben wollten. Als Dörte die Bratkartoffeln mit Erbsen und Fisch fertig hatte, verschmausten wir die im Camper – für draußen ist es längst zu kalt. Nicht nur zum Sitzen, auch das Essen wird in Sekundenschnelle kalt – und ab und an braucht der Mensch was Warmes. Jetzt war es an der Zeit, das Feuer neu in Gang zu kriegen – mit Teelichtern und Papier, welches wir ausreichend hatten, weil wieder Prospekte entsorgt wurden. Erst wollte das Holz nicht so wie wir, aber da kennen wir keine Gnade! Das Holz hatten wir uns übrigens noch gekauft, als wir von Canmore kommend noch in den Store im Centre sind. Eine kleine witzige Begebenheit gab es dabei: Stehen da doch 5 $ ausgepriesen dran, knöpfte der Herr uns 8 $ ab. Warum das? Oh, meinte er, sie haben vergessen, den Aushang umzuändern, weil vorher kleinere Päckchen Holz waren und nun große, die teurer sind. Schlawiner! Ganz schöne Schlitzohren sind das. Die wollen uns doch wohl nicht behummsen? Erst die Sache mit dem Only-Power-Site und nun das Holz? Merkwürdig. Wir nahmen es trotzdem mit und verbrannten es auch schneller als sonst. Zum Sitzen war es eh zu kalt und stehen strengt dann doch auf Dauer an. Dörtes Pullover schmurgelte zu schwarzen Fetzen zusammen, gab aber zuvor ein schönes Flammenbild. Gegen 9 sind wir dann in unseren die Zeit über gut durchgelüfteten und nun beheizten Camper gegangen und haben die Uno-Karten rausgeholt. Die Partymeile war längst abgebaut und der RV-Park auf unserem Areal so gut wie leer. Keine 24 h zuvor tobte hier das Leben, nun war wieder Stille und wir konnten am frühen Abend sogar einen Woodpecker ganz nah bei uns beobachten. Die Centre-Verwaltung hatte tagsüber die Plätze gereinigt und gleich mal unsere Plane mitgenommen. Haben wohl gedacht, wir hätten sie vergessen. Nun ja, wir brauchten sie eh nicht mehr und waren das Problem der Entsorgung los.
Da von nebenan nun keine Musik mehr kam, machten wir selbst welche während des Spielchens an. Es war insgesamt, trotz der Kälte durch den Vollmond und dem sternenklaren Himmel noch ein vergnüglicher Abend. Beim Spiel und einem Canadian haben wir bis um 11 ausgehalten. Nun war es an der Zeit, in die Schlafsäcke zu kriechen. Unsere neuen Decken sollten uns gut tun: Thomas legte seine unter, ich nahm meine noch zum Zudecken. Und was soll ich sagen? Trotzdem es die Nacht mindestens 0 °C waren, wenn nicht sogar schon die angesagten -2, ich fror nicht und fühlte mich ausgeruht. Gegen 8 sind wir hoch und sahen, dass die Sonne schien. Hatte der Wetterbericht nicht gelogen. Wir machten uns ans Werk, so wie wir es besprochen hatten: Erstmal frühstücken die gebratene Putenwurst und Ei auf Brot, dann abwaschen und zu den Duschen fahren, damit das heiße Wasser letztendlich unsere Muskeln und Knochen durchwärmen konnte. Angst, Plätze rechtzeitig zum Duschen reservieren zu müssen, brauchten wir nicht haben.
Wir waren ja fast alleine, in den Duschräumen dann gar kein Mensch. Thomas probierte zwei Duschen aus, meinte aber, beide seien nicht warm gewesen. Nun, bei uns war gleich unsere erste ausgesuchte Kabine voll in Ordnung und wir genossen das warme bis heiße Nass. Ich hätte den ganzen Tag da unter bleiben können. Und tatsächlich belebte uns diese Aktion. Frisch geduscht nahmen wir das Dumpen in Angriff und säuberten nochmals leicht unseren Camper an einigen Stellen. Fischwasser aufgefüllt – in Tank und Flaschen. Thomas fotografierte mich nun auch mal bei meiner anderen Tätigkeit (B76). Um 11 rum waren wir mit allem fertig und die Sonne lud uns ein, den Highway 40 zu befahren. Und welche Sichten uns da geboten wurden: Ein Anblick schöner als der andere. Dörte zückte die Videokamera und filmte. So war auch gleich die Technik parat, als uns 3 Rehe begrüßten und über die Straße gingen.
Sehr gemächlich mit 60 statt max. 90 km/h genossen wir diese Landschaft. Der Kananaskis ist ultimativ etwas für Sonnenschein! Nur so wird seine ganze Schönheit preisgegeben. Wir sahen – nicht nur morgens an unserer Bank – dass es gut kalt war, denn viel Reif war auf dem Gras zu sehen. Unterwegs meinte Thomas eine Elchkuh im Gebüsch gesehen zu haben, ein Wenden war aber nicht gut möglich und wir fuhren weiter. Haben andere vielleicht das Glück, sie zu sehen. Es dauerte gar nicht lange und wir – wie andere vor uns schon, denn die hatten ihre Technik bestens platziert – trafen auf eine kleine Ziegengruppe (B77). Ganz in Ruhe konnten auch wir filmen und fotografieren – auch wie sie sich mitten auf der Straße aufhielten. Ganz langsam und auf der Gegenspur fuhren wir vorbei, als alle ihre Fotos im Kasten hatten.
Na, war das ein Tag? Herrlichster Sonnenschein, der die schneebedeckten Berge (B78) sehr gut ins rechte Licht rückte, bis wir sogar in eine Gegend kamen, wo schon seit einigen Tagen Schnee auf den Bäumen und am Straßenrand lag. Das war die Gegend, die vom 01.12. bis 15.06. jeden Jahres gesperrt ist. Bei einem von vielen Stopps zum Fotografieren, und zwar am Parkplatz zum Wanderweg zum Elk Lake, war es bannig kalt.
Mit dem Selbstauslöser (B79) machten wir ein Foto im Schnee von unserem „Winterurlaub“. Weiter ging es in der atemberaubenden Gegend weiter, wir genossen die Aussichten und überquerten den Highwood Pass. Dann war dieser Teil des Kananaskis County leider zu Ende und fast abrupt waren die Berge verschwunden und es öffnete sich eine ebene Landschaft mit Hügeln: die Foothills. Der Anblick war nicht minderwertiger! Man findet ja gar keine Worte mehr, um die Eindrücke zu beschreiben! Tiersichtung hatte nur noch ich, als mir ein Reh vor den Wagen laufen wollte, aber aufgrund meiner Bremsung dann doch wieder im Graben verschwand.
In der Ebene nun einen richtigen Weitblick habend, erhöhte ich die Geschwindigkeit auch wieder auf das zulässige Tempo von 100 km/h. Die Tiere sollten nun ja wohl weitläufiger zu erkennen sein. Vor allem Kühe schienen sich hier aufzuhalten, wie Schilder und etliche Texas-Gates uns anzeigten. Kuhfladen auf dem Highway überzeugten uns, dass w i r durch Weideland fahren. Und da: auf 12 Uhr eine Gruppe Kühe (B80) auf der Straße.
Angeführt von einem Cowgirl und getrieben von einem Cowboy und Hund wurde die Herde an uns vorbei gelotst. Wild West life! War das ein Abenteuer? Ein Spaß ohne Ende – das sah einfach klasse aus! Etwas beängstigend nur der Moment, als eine Kuh mit großen Hörnern direkt auf uns zutrabte, aber der Hütehund hatte sie im Griff (B81). Tolle Videoaufnahmen werden das sein. Als der Cowboy auf unserer Höhe war, sagte ich ihm, wie wundervoll das war. Er bedankte sich und sagte auch noch was, aber wir haben nichts verstanden. War bestimmt was Gutes. Wir waren von diesem Erlebnis hellauf begeistert. Was ein Spaß! Kanada wirklich erleben – außerhalb der Touristenmeile! Für uns eine herrliche Show – für ihn sein Brotverdienst.
Alle waren wir super gelaunt und fuhren freudig Longview entgegen. Die Straße durch diese Gegend – ein herrliches Fahrgefühl, ein Weitblick… ich finde keine Worte. Dann tauchten 1 km vor Longview Bohrpumpen auf. Thomas identifizierte sie als Erdölpumpen und fand inzwischen heraus, dass die von 1937 bis 1971 ca. 50 Barrel aus 2.133 m Tiefe Öl pumpten. Wir hielten, um eine (B82) noch in Betrieb scheinende zu fotografieren – im Hintergrund die schneebedeckten Rockies.
Longview wurde uns beim Durchfahren – wir wollten erst zur Bar-U-Ranch fahren – immer sympathischer. Selbst der Campground fand schon beim Vorbeifahren unsere Zustimmung und so schmiedeten wir fix den Plan, die Ranch zu besichtigen, dann einen Site zu besetzen und danach einen Bummel durch den Ort zu machen. Die Fahrt zur Bar-U-Ranch und die Besichtigung machte Riesenspaß. Ist ja immer schön so ein anfassbares Museum. Man wird so herrlich mit einbezogen. So zeigte uns der Leatherworker (oder auch Sattler), wie die tollen Motive auf den Sätteln und cuffs entstehen. Wir beobachteten und filmten, wie er einen Schlüsselanhänger fertigte, den er mir dann schenkte. Beim weiteren Rundgang – immer wieder begeistert vom Interieur – trafen wir im Round Camp ein und wurden spontan zum Kaffee eingeladen. Man saß schon um eine große Feuerstelle, über der 4 Kannen hingen. Wir setzten uns dazu und genossen für ein paar Cents, die wir in die Büchse taten, schönen schwarzen Kaffee aus der mittlerweile vom Ruß geschwärzten Emaillekanne. Das war ein Kaffee! Nicht nur schwarz! Für kanadische Verhältnisse ungewohnt stark. Nun wussten wir auch, warum der Zucker da stand! Kurz bevor wir gingen und Thomas noch Lassoübungen betrieben hatte, erklärte uns die Frau – das Cowgirl –, dass in der Zeit 1880 bis 1910 die Cowboys original so durch das Land – von Montana kommend – in den Monaten Mai und Juni zogen, um die Rinder und Kälber zu brandmarken. Nach der Arbeit fanden sich 20 bis 100 Cowboys in solchen Round Camps am Lagerfeuer ein, erzählten sich Geschichten oder veranstalteten Rodeos. 1912 entstand, um diese Historie aufrecht zu erhalten, die Calgary Stampede.
Irgendwas von Calgary erzählte uns schon der Sattler (B83), der gerade dabei war, einen alten originalen Sattel zu restaurieren, als er diese Tätigkeit für den Schlüsselanhänger unterbrach. Einige Teile, die er schon fertig hatte, zeigte er uns. Auch eine neue Trense (sag ich jetzt laienhaft mal!), welche er letzte Woche angefertigt hatte, war unter den Exponaten. Er hofft, dass sie auch dem Pferd gefällt! Wir fanden sie schon mal sehr hübsch.
Der weitere Rundgang führte uns u. a. an der Branding Station und einem Tipi vorbei. Hier lagen zwei Kuhschädel, einen davon nutzten Dörte und ich (B84) als Trophäe fürs Foto. Dann hatten wir noch Gelegenheit zu erleben, wie so ein riesiges Percheron-Pferd beschlagen wird. Das stank zwar erbärmlich, war aber sehr interessant.
Der gesamte Rundgang durch die Ranch (B85) war äußerst interessant. Genauso auch der Rundgang – nein: eine Seite hoch die Straße, die andere Seite wieder runter durch Longview; und immer mal in einen Laden (B86) rein. Gekauft haben wir letztendlich geräucherte Büffelfleischstreifen. Wir durften sie vorher probieren und befanden sie als äußerst lecker. Der Saloon mit Hotel sagte uns von außen schon zu. Jetzt – nach dem Essen: Hühnerfleisch, Möhren, Zwiebeln und Nudeln im großen Topf gebraten – wollen wir ihn noch von innen begucken und uns da ein Bierchen gönnen.
Unser Camper stand während des Stadtbummels die ganze Zeit auf dem Platz und konnte sich in der Sonne aufheizen. Nun ist sie untergegangen und es wird sofort kalt. Mal sehen, wie die Nacht wird! Ohne Strom! Ohne Feuer! Feuerstelle ist zwar vorhanden, aber kein Holz mehr… Wir bauen jetzt noch die Betten und lassen diesen wunderschönen, ereignisreichen Tag im Saloon ausklingen.
25.09.,
Nachdem alles für die letzte Nacht vorbereitet war, sind wir rein in den Saloon (B87). Das war schon ein uriges Gefühl: voll war der Laden; sie aßen, tranken, spielten an den einarmigen Banditen und ein Riesenfernseher, der ein Footballspiel in den großen Raum schallte, durfte natürlich nicht fehlen. Wir bestellten uns ein Canadian – wir bekamen ein eiskaltes in Flaschen und amüsierten uns schon mal köstlich über die Kellnerin. Emsig lief – nein schlurfte sie eher (bedingt durch ihren Gehfehler, der aber erst alles so urig machte) hin und her und brachte Essen aus der Küche, sobald von dort das Telefon läutete. Wie ein LPG-Telefon klang das! Wir amüsierten uns köstlich (wir betonen: nicht über den Gehfehler!), hatten unseren Spaß als Beobachter!
Und zu beobachten gab es viel: Indianer, die sich Bier kauften; der Stammtisch mit den Ranchern… Allein das Füllen der Biergläser war Grund zum Lachen: das wurde nur so übergeplürrt, damit die Gläser randvoll sind. Die gesamte Prozedur am Tresen war sehr erheiternd: Wein aus Kanistern und wie die Kellnerin die nötigen Weingläser von dem als Flinte gebauten Gehänge angelte, Schnaps und Cola wurden über eigenartige Befüllleitungen einfach nach Gefühl in die Gläser verfrachtet. Besonders witzig war die Situation, wie der Kellnerin beim Geschirrzusammenräumen ein Messer runter fiel. Oh gebückt wurde sich nicht – beim nächsten Gang, wie sie bemerkte, dass das Messer ihr im Weg lag, vollführte sie eine coole Fußbewegung und schoss das Teil erst mal an den Rand. Diese Szene ist in Worten nicht wieder zu geben… filmreif! Ach, war das schööööön!
Auch über die Gäste haben wir uns köstlich belustigt: Da war u. a. ein Ehepaar – es kam rein, bestellte sich ein Bier und ein Glas Wein sowie eine Portion Pommes. Dann setzte er sich ohne zu zögern an den Banditen und Mutti an den Tisch, um das Gleis Wein und gleich noch ein zweites zu ihren Pommes hinter zu kippen. Sie trank den Wein wie Wasser! Beim dritten Glas Wein durfte sie auch an einen Automaten. Ein anderes Ehepaar kam noch hinzu und lauerte offensichtlich nur darauf, dass die Automaten frei wurden, um dann sofort dort die Plätze einzunehmen. Zwischenzeitlich bestellten sie sich eine Alkohol-Cola-Mischung sowie eine Bloody Mary und bezahlten die kurzerhand mit der Kreditkarte. Die lustige Szenerie, wie die Kellnerin den Tisch auf ihre Bitte hin säuberte, ist ebenfalls nicht mit Worten zu beschreiben… diese Wischbewegung am Ende ihrer Tätigkeit… fehlte nur noch etwas Schwung und der Lappen wäre im Abwaschbecken gelandet. Urig! Nun war auch der Automat frei und unmittelbar nachdem der Mann diesen mit einem 20-$-Schein gefüttert hatte, standen sie auf und gingen weg. Eigenartig!
Dann war da der total betrunkene Rancher. Der schoss kurz nach unserer Ankunft im Saloon mehr als stark torkelnd aus dem Laden. Zuvor war ein etwas lauteres Gespräch am Stammtisch… fehlte nur noch der Schuss! Und ein anderer Rancher! Der schloss im Dunast irgendwelche Geschäfte per Telefon ab – so jedenfalls vermuteten wir. Wir amüsierten uns bei dem Gedanken, wenn er morgens den Viehtransporter sieht, auf welchen gerade seine Rinder verladen werden…!
Es war sehr lustig, das alles zu beobachten. Bei unserem dritten Bier wurden wir auch mutig und baten die Kellnerin, ein Foto von uns am Stammtisch zu machen. Als wir wieder an unserem Tisch waren, standen noch 3 Bier da, die uns von den einzigen inzwischen verbliebenen Gästen spendiert waren. Auch hatte einer von ihnen die Musikbox in Gang gesetzt und so wurde endlich der Fernseher ausgemacht. Eine Wohltat, denn genau unter dem saßen wir. Die Musik war uns ein bisschen zu heavy, aber es war zu ertragen. Ich ging zu den Jungs rüber, bedankte mich für das Bier und verdeutlichte denen, dass wir mal etwas Countrymusik einlegen und Line Dance machen würden. So kamen wir mit denen ins Gespräch, mit noch mehr Bier und landeten letztendlich als fröhliche Gemeinschaft an unserem großen Tisch. Wir tanzten auch nach 3 Titeln – mehr gab die Box an Musik nicht her. Aber der Kellnerin gefiel das so gut, dass sie diese Titel gleich ein paar Mal hintereinander spielen ließ und unsere Tanzdarbietung mit Applaus belohnte. Nun war sie an der Reihe, sich köstlich zu amüsieren. Irgendwie wurden wir das Gefühl nicht los, dass die mit Line Dance gar nichts anfangen konnten, jedenfalls nicht so, wie wir es in Deutschland verstehen… Aber wir hatten alle unseren Spaß und unterhielten uns so gut wir eben konnten. Mit unseren Gesprächen und Biervernichtungen wurde es für die Kellnerin ein sehr langer Abend (so mitten in der Woche) und sie geleitete uns kurz nach zwölf höflich aus dem Saloon, nicht ohne vorher noch Fotos für uns zu machen. (eine spätere Anmerkung: leider sind sämtliche Fotos für eine Veröffentlichung hier zu stark verwackelt – schade!)
26.09.;
Die Jungs – und auch wir – waren so gut drauf, dass wir die Party bei denen im Hotel weiterführten. War doch noch detaillierter unser Helicopterflug abzusprechen! Von der Idee her nicht schlecht und wäre mit Sicherheit eine interessante Sache… wir philosophierten auch ne ganze Weile darüber. Dass wir um 7 zum verabredeten Treffpunkt nicht fit sein werden, war wohl allen klar… Wie die aussahen, als sie zum Ölfeld flogen? Keine Ahnung!. So sind wir denn morgens um drei mit einer Flasche Bier (noch zu!) und Muffin kauend durch Longview zu unserem Camper getorkelt – mutterseelen allein!
Natürlich wachten wir nicht rechtzeitig auf! Es glaubte wohl nicht wirklich jemand an unseren Ausflug, denn schließlich bringt dieser Hubschrauber die Leute zur Arbeit bzw. ist da im Einsatz und wird sich nicht die Mühe machen, für Touristen mal eben so einen Rundflug zu veranstalten. Aber war doch nett die Idee.
Logischerweise haben wir länger gepennt und erst gegen 10 die Augen aufgemacht. Uns wurde sofort auffällig, dass Polizei über den Campground fuhr und sich unmittelbar davor platzierte… hatten wir in der Nacht doch noch was angestellt? Erscheinen wir so verdächtig auf einem RV-Park, wo sonst nur Dauergäste stehen? Wir spekulierten noch allerhand und amüsierten uns über unsere diversen Einfälle. Als denn noch ein Hubschrauber über den Ort flog, war es mit dem Lachen auf dem Höhepunkt: die suchen uns! Ging es uns den Morgen auch nicht ganz so gut und das Frühstück fiel eher klein aus, fanden wir alle drei, dass es ein interessanter und äußerst spaßiger Abend war und sich der Aufenthalt in Longview auf alle Fälle gelohnt hatte. Der Polizeiwagen stellte sich sehr bald als Geschwindigkeitskontrolle heraus. Nicht für uns – wir waren in unseren Tätigkeiten ungewohnt langsam! Die Dusche mit knallheißem Wasser und mollig geheiztem Raum bildete den krönenden Abschluss auf dem RV-Park Tales & Trails für nur 15 Can$ pro Nacht.
Wir räumten wie üblich alles auf, verstauten es fahrsicher und verließen um 12 den Platz. Tanke, Gasfüllstation und Dumpstation lagen so günstig beieinander, dass wir diese Versorgungen gleich hier erledigten. Gleichzeitig gab es uns weitere Gelegenheit, auch wieder anständige Menschen zu werden, ehe wir in High River aufkreuzen… und wieder kreiste der Hubschrauber und wir lachten über unsere Kommentare.
So gegen eins waren wir wohl fertig mit allem und hatten nur einen kurzen Weg zu fahren. Problemlos fanden wir High Rivers Touristen-Info und machten uns da erst mal kundig, weil – es stellte sich heraus, dass wir gar keine Anschrift oder Telefon-Nr. von Arlene und Gorden dabei hatten! Die Dame in der Info half uns anhand des Telefonbuchs und ich konnte Gordon am Apparat erklären, wo wir sind. Arlene holte uns etwas später ab und geleitete uns zu ihrem Haus. Die Begrüßung war kurz, aber sehr herzlich – kannten wir sie (B88) doch erst ein paar Wochen nur per E-Mail! Unser Englisch wurde nun auf die härteste Probe gestellt, denn der Nachbar, der als Translater antelefoniert wurde, war nicht verfügbar. Aber es reichte aus und wir wissen u. a. nun, dass sie in 5 Wochen mit ihrem neuen Bus = Haus auf Rädern! – nach Yuma fahren, um dort 4 Monate zu verweilen, weil es ihnen in High River zu kalt ist.
Gord ist mit uns zur Feuerwehr gefahren, wo Thomas sich diesmal richtig lange aufhielt, weil dort ein Schweizer beschäftigt ist, so dass natürlich mehr geredet werden konnte. Nur das Ausrücken des Rettungswagens brach den Besuch ab. Im anschließend aufgesuchten Shop wurden wir stolz als deutsche Besucher vorgestellt. Solch ein Verhalten hat in Kanada einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland…
Der Laden war schon cool – schloss sich doch direkt eine Saddlery an. Wir sind dann wieder „nach Hause“ gefahren, weil nun noch das Dinner vor der Line Dance-Stunde erfolgen sollte. Das hatte Arlene inzwischen fertig gestellt, Tisch gedeckt und servierte Rippchen, Salat, Kartoffeln, Mais, Brötchen, Butter und Soßen. Und das war ein Dinner! So herrliche Rippchen von so einem liebevoll, leicht pompös gedeckten Tisch habe ich noch nie gegessen… die anderen zwei auch nicht. Wir langten kräftig zu – auch weil wir nach unserem mageren Frühstück richtig hungrig waren. Nach diesem leckeren Essen war es auch dringend nötig, sich zu bewegen. Das hatten wir nun vor uns: 3 Stunden Line Dance, weil Arlene eine Gruppe Anfänger und eine Gruppe Fortgeschrittene das Tanzen beizubringen hat. Wir lernten in der Beginnergruppe (B89)auch gleich 6 neue Tänze, nur der Walzer gefiel uns nicht.
Die Videoaufnahmen werden uns das Erkennen später erleichtern… Nahtlos ging es nach anderthalb Stunden mit den Fortgeschrittenen weiter: Bei zwei uns bekannten Tänze (Rio und Bossa Nova) erhielt speziell Thomas Applaus der Damen, die anderen Tänze lernten wir und filmten sie mit. In den regelmäßigen Trinkpausen entstanden mit den Damen auch anregende Unterhaltungen. Die haben insgesamt für Besucher ein ganz anderes Auftreten – da ist soviel Herzlichkeit und gesunder Stolz zu erleben. Uns begeistert das immer wieder. Wir waren auch stark beeindruckt, dass Arlene mit ihren 68-70 Jahren noch so agil und vital ist und die 3 Stunden voll durchgepowert hat. Etwas eigenartiger Unterricht ist das schon: Beginnt mit dem Auslegen der Sheets und dem Einsammeln der Blätter von den Frauen. Arlene sagt an, was getanzt wird – selbst bei neuen Tänzen geht das in vollen Sektionen durch, dann wird einmal zur Musik getanzt, kurz mal nachgefragt, ob es Schwierigkeiten gibt. Nein? Dann der nächste Tanz nach gleichem Schema! Und das flutscht! Liegt es daran, dass die alle so gut englisch können? Wir waren beeindruckt, erkannten aber auch, dass wenigstens dort der Line Dance eine ganz andere Freizeitbeschäftigung ist als bei uns. Sie betrachten das wohl mehr als eine Dienstagabendbeschäftigung, bisschen sportliche Betätigung, um nicht vor dem Fernseher zu hocken. Für Partys oder Events wird sich das nicht beigebracht. Und von „Westernkleidung“ war schon mal gar nichts zu sehen; man trug eher Sportdress. Arlene brachte erst den Line Dance in diese Stadt. Sie ist überhaupt eine sehr aktive, quirlige Frau. Dass sie noch Quilts und andere Handarbeiten macht, wussten wir schon von ihrer Homepage. Nun konnten wir ihre Arbeiten im Original bewundern. Gleichfalls unterrichtet sie nämlich auch noch die Quiltherstellung! Sie nennt das Entspannung… wir haben unheimlichen Respekt.
Bei Rotwein verbrachten wir den weiteren Abend in deren Haus mit Unterhaltungen und Musikaustausch. Apropo Musik – die funktionierte nun auch wieder und wir zeigten Arlene, wie der „Shakin’ mix“ mit Musik ausschaut. Ich durfte diesen Tanz nämlich in Arlenes Fortgeschrittenengruppe teachen – leider ohne Musik.
Dennoch machte sich bei uns dreien der Vorabend bemerkbar und wir deuteten an, schlafen gehen zu wollen. Uns wurden die Gästezimmer angeboten und nur zu gern nahmen wir das Angebot an, waren die Temperaturen doch schon wieder sehr nahe dem Nullpunkt. Wir bedankten uns überschwänglich, so freuten wir uns, eine Nacht im Warmen zu verbringen. Und das tat so gut! Frisch und munter waren wir, als unser Wecker um sieben klingelte. Aufs Frühstück verzichteten wir und nahmen nur einen Kaffee. Pünktlich 7.58 h verließen wir nach herzlicher Verabschiedung das Grundstück in Richtung Calgary. Schließlich hatten wir noch zu packen und den Camper zur Übergabe vorzubereiten. Unsere Berechnung täuschte uns nicht und auch eine Baustelle unterwegs sowie der Berufsverkehr in Calgary verzögerte unsere Ankunft genau um 9.00 Uhr nicht. Nun ging es erst mal hektisch ans Koffer packen – bei mir jedenfalls. Es dauerte auch nicht lange und ich stellte fest, dass das so nicht geht. Also die Hälfte wieder raus und etwas besser gepackt. Irgendwie landete dann alles in unseren Taschen, wir quetschten sie zu und hofften, sie erst in Deutschland wieder öffnen zu müssen. Alles was nun noch rum lag, wurde entsorgt! Das Auschecken dauerte auch nur wieder 15 min. Auf einige Mängel wiesen wir hin, aber es wurde uns Zeichen gegeben: ja, ja..., wir wissen..., ist nun mal so..., ist nicht so wild… Haaalllloooo? Aber was soll das Aufregen jetzt… Es wurde die Kaution zurückgebucht und der Fall war erledigt. Ich durfte freundlicherweise noch das Telefon nutzen und rief bei Richard an, um zu fragen, ob er uns die letzten Stunden in Calgary betreuen möchte. Ne ganze Weile warteten wir dann auf ihn und sahen seine „Verspätung“ darin begründet, dass er Miguilla von der Arbeit für die Mittagspause abgeholt hatte. Wir bekamen Schwierigkeiten mit unserer Gepäckverstauung, weil Richard nicht auf 3 Personen vorbereitet war. Ups? Thomas bewies Fortschritte bei der Gepäckverstauung und alles samt wir fanden Platz – nicht gerade komfortabel, aber wir wollten ja keine Rundreise machen. Nachdem wir in einem Fastfood-Restaurant gespeist hatten, fuhren wir zu Miguillas T&T-Honda-Arbeitsstätte. Ein gewaltiges Gebäude sahen wir da – die vorherige kleine Bude ist ein Witz dagegen! Wie wir erfuhren – Dank Miguillas Informationen, die sie uns bei der Führung durch diese kleine Fabrik zukommen ließ, dass das ein mehrere Millionen teurer Bau ist. Ja, danach sah er auch aus! Miguillas Führung war äußerst interessant und sehr informativ. Dass das überhaupt so möglich war, erstaunte uns schon. Aber immer wieder wurden wir herzlich begrüßt und man zeigte uns gern und stolz das Autohaus. Unsere „Oh!“ und „Ah!“ nahmen gar kein Ende: wir sahen eine Werkstatt, in der gleichzeitig 34 Autos bedient werden können, eine riesige Lagerhalle nur für gewechselte Reifen, mehr als 20 Verkaufsbüros allein nur für Neuwagen (hier können freischaffende Autoverkäufer für T&T-Honda tätig sein!). Und die Jungs sind fleißig! Durchschnittlich 300 Neuwagen pro Monat werden an neue Besitzer verkauft! So an die 100 Gebrauchtwagen kommen noch zur Statistik hinzu. Wie wir die Halle mit den nur an diesem Tag verkauften Fahrzeugen sahen, glaubten wir diese Zahlen schon. Die Preise der Fahrzeuge überzeugten uns (für deutsche Verhältnisse!) zusätzlich. Es war Miguilla und ihren Kolleginnen deutlich anzusehen, wie stolz sie sind, dort arbeiten zu können. Nun verstehen wir auch, warum Miguilla mit ihren 70 Jahren immer noch gern 8 Stunden am Tag arbeiten geht. So eine detaillierte Betriebsbesichtigung haben wir noch nie erlebt und bedankten uns so gut wir konnten.
Da es bereits nach 14 Uhr war, musste auch Miguilla wieder arbeiten und Richard fuhr uns zum Flughafen. Leider verstand er uns nicht (warum auch immer?), dass wir gern noch das ultimative Bild vor der Skyline von Calgary machen wollten. Da aber der Ausflug bei T&T-Hondo so aufregend war, verschmerzten wir das verpasste Fotoshooting. Auch von Richard verabschiedeten wir uns herzlich und betraten nunmehr das Flughafengelände (B90), um die restliche Zeit bis zum Abflug mit Einkaufsbummel und dergleichen zu verbringen. Thomas tauschte noch seine vielen Dollars zurück, hatte er doch bei Cruise Canada die Parkkarte noch an ein Bremer Ehepaar verscherbeln können. Die wurden übrigens mit einem zweiten Schlafsack und einem nagelneuen Camper versorgt!
Während des Rumschlurfens im Flughafengebäude ließen wir noch einige Dollars für kleine Aufmerksamkeiten, die wir noch im Handgepäck verstauen konnten – das andere war natürlich längst eingecheckt – und verzehrten noch die wenigen Lebensmittel, die wir, da sie geöffnet waren, Richard nicht mitgegeben hatten.
Nun sitzen wir längst im Flieger (B91) (B92), haben Calgary beim Start gefilmt, vernichten den ersten Rotwein und Tomatensaft. Das war Kanada 2007! Ein Dreiviertel Jahr darauf gefreut und in 3 Wochen so schnell zu Ende! Wir haben viel Neues gesehen und erlebt. Und immer wieder sind wir von der Gastfreundschaft, der Freundlichkeit und dem Stolz der Kanadier begeistert – von der Landschaft sowieso!
Es bleibt für uns, wieder von dieser Reise (B93) so lange wie möglich zu zehren, fleißig zu sparen, um nochmals zu fahren und wieder vieles besser zu machen.

Wir hatten unheimlichen Spaß
in einem kleinen Teil Kanadas!